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February 20, 2008 15:25:03
In letzter Minute in die Mongolei



09 Uhr: Um die Ecke biegt Vladimirs Monstrum. Ein Land-Cruiser wie meiner, nur ungefähr doppelt so hoch und mit noch breiteren Reifen. Der Präsident des Off-Road Clubs „Protector“ hat mir gestern Hoffnungen auf eine Einreise in die Mongolei per Flugzeug gemacht. Auch jetzt, als wir bereits unterwegs zur Mongolischen Botschaft in Irkutsk sind, glaube ich nicht daran, dass das klappen wird.


Auf der Homepage der mongolischen Fluggesellschaft MIAT ist der Flug nach Ulaanbaatar als „temporarily suspended“ aufgeführt. Zusätzlich stellt die mongolische Botschaft in der Wintersaison nur am Freitag Touristenvisa aus. Und heute ist Donnerstag.


Nichts-desto-trotz: Vladimir ist guter Dinge und meint nur „I have contacts“. An der Güte der Kontakte zweifle ich nicht – immerhin hat der Protector-Off-Road-Club nach unserer Ankunft vorgestern Abend um 20 Uhr eine Pressekonferenz für den nächsten Morgen um 10 Uhr einberufen. Eine äusserst populäre Pressekonferenz wie sich zeigen sollte: 3 Fernsehsender und 2 Zeitungen sind erschienen!


Heute aber müssen wir innerhalb einer Stunde ein Visum erhalten (die Botschaft öffnet um 09:30 Uhr) und vor 10:40 Uhr ein Flugticket gekauft haben. Abflugszeit (wenn denn wirklich ein Flug stattfindet) sei 11:40, so Vladimirs Kontakt am Flughafen. Let’s see.


Bei der Botschaft wartet bereits Marina auf uns – ein weiterer „Kontakt“ Vladimirs und eine selbstständige Reisekauffrau. Mit meinem Pass in der Hand drängt sie durch die wartende Menge zum winzig kleinen Schalterfenster. Nach einer Minute kommt sie mit einem kaum leserlichen Formular zurück, welches ich ausfüllen muss. Dann entrichte ich die vierfachen Visagebühren, die sich mit 25 $ aber im Rahmen halten. Und siehe da: Innert 30 Minuten halte ich mein Visum für die Mongolei in Händen! Rekord!


Vladimir kann ein für Russen breites Grinsen (es zuckte deutlich in seinen Mundwinkeln) nicht unterdrücken und schon geht es weiter Richtung Flughafen. Ein offizielles Ticket in einem Reisebüro kann ich nicht mehr kaufen – dafür ist es knapp 2 Stunden vor Abflug zu spät -, aber auch hier zählt Vladimir auf seine Kontakte. Wir warten in der Abflughalle – die Zeit verstreicht. Bereits ist es 11 Uhr und noch kein Anzeichen von einem Kontaktmann/Agenten. Um 11:10 beginne ich mich über die hohen Visagebühren meines nun offenbar unnötig gewordenen Visums zu ärgern, doch genau in diesem Augenblick taucht ein Mongole mit Fellmütze auf – der lang ersehnte MIAT Agent!


Der Agent ist etwas verärgert und meint, er sei extra heute früh um 9 Uhr in seinem Office erschienen um Tickets zu verkaufen. Wieso ich nicht da habe kommen können? Ich erklärte ihm meine Situation und würdigte seinen Aufwand mit tiefer Bewunderung. Dies schien ihn etwas zu besämpftigen; er willigte ein, mir ein Retour-Ticket nach Ulaanbaatar zu verkaufen. Handschriftlich füllte er das Ticket aus, ich bezahlte, verabschiedete  mich von Vladimir (dessen Mundwinkel schon wider zuckten) und Martin und geniesse nun mein Sandwich im Flieger.

Ich fliege in einer Antonow-Turboprop Maschine, die saumässig laut ist. Das Ambiente ist einer Frachtmaschine würdig, ebenfalls ist eine Heizung bestenfalls zu erahnen. Zum Dessert gibt es eine Schale Honig, was die Russen zu freuen scheint. Immerhin: Ich bin unterwegs, und das in Rekordzeit!