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Meine Damen und Herren: Hier sehen Sie Frauen, mit bis zu 30cm langen Hälsen. Kommen Sie und staunen Sie!
Schon als kleine Mädchen werden den „Long Neck Women“ Ringe aus glänzendem Messing um den Hals gelegt, und jedes Jahr kommt einer dazu. Mit ca. 30 Jahren stolzieren die Damen mit goldig glänzenden Schwanenhälsen durch ihr Dorf.
Wie es zu diesem Brauch kam? Da scheiden sich die Geister. Pseudo-Wissenschaftler und publikumsgeile Ethnologen haben diverse und spektakuläre Theorien vorgelegt. Hier eine Auswahl:
Früher wurden die Frauen von anderen Dörfern oder vom Burmesischen Hof als Konkubinen gestohlen; um dies zu vermeiden sollten die Frauen eindeutig erkennbar gemacht und von anderen Dörfern als hässlich empfunden werden. Eine andere Theorie besagt, dass die Gründerin des Dorfes (Matriarchat!) ein Langhalsdrache gewesen sei, und dass die Frauen ihr zu Ehren diese Ringe tragen. Ebenfalls abenteuerlich erscheint die Idee, dass die Frauen durch ihre goldglänzenden Hälse gegen Tigerattacken geschützt würden (Tiger beissen ja immer zuerst mal in den Hals).
Wie dem auch sei: Der Brauch hat überlebt und heute noch leben in einem Flüchtlingsdorf nahe der Burmesischen Grenze im Norden Thailands die Padaung, eine Untergruppe des Volkes der Karen, die heute in Myanmar verfolgt werden. Die Padaung Frauen schmücken sich mit den goldenen Halsreifen, die Schönheit, Status und Reichtum repräsentieren. In voller Pracht kann der Halsschmuck 5-8 Kilo schwer werden. Wie konnten beobachten, wie einige Frauen ihre Ringe reinigen – dies scheint viel Zeit in Anspruch zu nehmen. Auf Anfrage erklärte uns eine Frau, dass diese Reinigung täglich vorgenommen würde ohne die Reifen abzulegen – der Schmuck wird bis zum Tod getragen.
Dadurch verkümmern die Halsmuskeln. Die Frauen können nur mehr durch einen Strohhalm trinken, da sie den Kopf nicht nach hinten legen können (so steht es zumindest in unserem Kuriositätenführer).
Dem „National Geographic“ ist zu entnehmen, dass die Frauen nicht wirklich einen langen Hals haben – vielmehr wird der Knochbau um die Schultern zusammengedrückt und die Schlüsselbeine gebrochen, so dass der Hals länger scheint.
Viel spannender ist aber, dass den Frauen bei Ehebruch die Ringe weggenommen werden auf dass ihnen der Hals knickt und sie einen Erstickungstod sterben (ob das heute immer noch so gehandhabt wird, war nicht in Erfahrung zu bringen).
Soweit die Theorie. In der Praxis fuhren wir einen erbärmlichen Feldweg lang, mussten einen Fluss überqueren, wurden um 250 Bath (ca. 8 Franken) Eintritt gebeten und durften auf Fotosafari im Flüchtlingsdorf – aber nur bis 18 Uhr.
Im Dorf verkaufen die Langhals-Frauen ihre Handwerksarbeit – sobald man kauft, wird man mit einem Lächeln belohnt und darf ein Foto machen.
Alles sehr authentisch. Die Padaung machen für thailändische Verhältnisse gutes Geld – da sie offiziell immer noch als Flüchtlinge gelten, dürfen sie ausserhalb ihres Dorfes nicht arbeiten. Die Männer der Frauen nutzen ihre Zeit, indem sie Fussball spielen und rauchen. Die Frauen verdienen das Geld. Immer noch ein Matriarchat also.
Ps: Wir haben lange diskutiert, ob es gut sei, Menschen aufgrund ihrer Aussergewöhnlichkeit zu besichtigen.
Vor 100 Jahren wurden im Basler Zoo Schwarze Menschen hinter Gittern ausgestellt – dies ist m.E. jedoch nicht mit der Situation der Padaung zu vergleichen, die in ihrem eigenen Dorf wohnen und Touristen freiwillig und gegen Bezahlung empfangen um ihnen stolz einen Teil ihrer Kultur zu präsentieren. Ich komme zum Schluss, ja, es ist gut. Schliesslich werden die Bergbauern im Appenzell auch die ganze Zeit fotografiert – und die kriegen höchstens Mal ein deutsches Schulterklopfen und ganz sicher kein Geld.