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February 28, 2007 23:56:30
David schreibt: El Salvador!
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Schon in Mexiko überlegten wir uns: Fahren wir durch El Salvador oder nicht? Eigentlich liegen uns solche Fragen fern. Das Land liegt in Zentralamerika, wir sind in Zentralamerika, ergo fahren wir hin. In Creel war es allerdings ein Costa Ricaner, der erklärte, dass in San Salvador viele Leute mit Waffen herumlaufen und es im Land zu vielen kriminellen Übergriffen komme. Tja, was nun?

Immer noch in Mexico wurden wir wieder und wieder gewarnt, aber nie war der Informant glaubwürdiger als ein Deutscher, der mit seiner Familie durch El Salvador reiste und ohne grössere Schäden überlebt hat. Also doch hin!

Was trotz aller Zuversicht blieb, war das Gefühl besonders vorsichtig sein zu müssen (an dieser Stelle sei es vorweggenommen: Liebe Verwandten und Freunde, wir leben noch!).

Der Grenzübertritt war der langwierigste bisher. Die El Salvadorianer sind vorsichtig, genau und dezentralisiert. Zwei unklimatisierte Gebäude stehen sich an der Grenze gegenüber und Tobias als Fahrzeuginhaber musste etwa siebenmal hin und her; an mir war wieder einmal niemand interessiert 


Tobias allerdings hatte keinen gültigen Einreisestempel für Guatemala (falsches Datum) - und der wäre ziemlich wichtig.

Guatemala, Honduras, El Salvador und Nicaragua bilden seit 2006 die so genannte CA-4 Staatengemeinschaft und ein Einreisevisum ist deshalb nur an der Aussengrenze dieses Konglomerats zu kriegen ist. Im Landesinneren ist es noch nicht einmal gegen Entrichtung eines Bussgeldes möglich, einen Stempel zu erhalten.

Der Ausreisebeamte in Guatemala beharrte darauf, dass wir den Stempel nur in Guatemala City erfolgreich korrigieren könnten. Weiter meinte er, vielleicht hätten wir ja aber auch Glück und die Salvadorianer würden es mit der Kontrolle nicht so genau nehmen.

Wir hatten Glück: Die Migrationsbeamtin warf einen kurzen Blick in unsere Pässe und sagte: Todo bien.

Ich hackte nach, denn nach unseren bisherigen Erfahrungen wollte ich nicht ohne Stempel weiterreisen. Es gibt keinen Stempel wurden wir aufgeklärt – da wir ja bereits einen in Guatemala erhalten hätten. Na ja, so sei es denn.

Als auch die Einreise-Übung nach etwa 2 Stunden absolviert war, gaben wir Gas. Kurz vor der Ausfahrt aus dem Zollareal versperrten uns aber zwei Lastwagen die Strasse; ein nebenstehender Polizist nutzte die Gelegenheit und unterzog uns der ersten Kontrolle (exakt 30 Meter nach der Zollkontrolle wo alle Papiere kontrolliert wurden). Um ihn abzulenken fragten wir ihn alles mögliche, und siehe da: Alle Dokumente i.O.!

Wie aber sollten wir jetzt den leutseligen Kameraden wieder loswerden? Nach vielen „Viaje Bien“, „Grazias“, „Adios“ und Händeschütteln mit all seinen Kollegen war es soweit: Wir fuhren in Richtung San Salvador.

Das Land ist klein - das ist schon auf der Karte ersichtlich. Die Siedlungsdichte ist die grösste aller zentralamerikanischen Staaten. Ich hatte zu navigieren und war mit dem Finger auf der Karte immer noch im letzten Dorf, als wir tatsächlich schon im nächsten waren. Von Guatemala kommend hat man den Eindruck durch eine grosse, grüne Stadt zu fahren. Nach 4 Stunden Fahrt erreichten wir am Freitag Abend die Hauptstadt. Dies in Erwartung einer grossartigen Fete. Pulsieren sollte die Kapitale, tanzende Mädchen und gute Stimmung überall, dazu keine Touristen. Touristen gab’s tatsächlich nicht viele, einige Mädchen haben getanzt, einige sassen oder standen an der Bar, alle aber waren in Begleitung ihrer Brüder, Cousins und sonstiger Aufpasser, wie das so üblich ist hier. Wir flüchteten in die Bar des lokalen Hiltons und erfreuten uns an kühlem Bier, bzw. Port, und unterhielten uns mit der Sängerin die mehr oder weniger vernachlässigt neben dem Piano stand.

San Salvador kurz erklärt: Malls, Fast-Food, God bless America. Es gibt überall Geldautomaten: diese spukten unerwarteterweise US Dollars aus (seit ein paar Jahren gibt’s den Colon nicht mehr). Wohin man auch schaut: man sieht Baseball­-Plätze!

Ziemlich viele Leute sind schon ausgewandert und viele weitere wollen dies tun. Wohin? Nach Estados Unidos natürlich. Das obwohl die Amerikaner während des Krieges die Grossgrundbesitzer unterstützt haben und nicht etwa die Revolucionarios.

Wir haben da Recherche betrieben und sind ins Kriegsmuseum nach Perquin gefahren.

Vorher aber haben wir eine wunderschöne Kolonialstadt besucht: Suchitoto! Da sassen wir einen Abend lang mit einem salvodorianischen Barbesitzer, wurden von Mariachis mit Musik beglückt (die haben unsere Kocherei genau beobachtete und waren begeistert, dass wir die Zwiebeln auch sehr klein schneiden – ganz wie in El Salvador!) und genossen den lauen Sommerabend!

Doch zurück zum Kriegsmuseum in Perquin: Die Ausstellung umfasste abgeschossene US-Kampfhelikopter, einige Gewehre und viele verbleichte Fotos. Na ja...

Von Perquin aus führte uns dann wieder einmal ein Feldweg an die Grenze. Drei Beamte waren dabei ein Auto zu waschen. Ein weiterer hielt Ausschau (oder döste, das war unter der Sonnenbrille nicht genau ersichtlich) und der Migrationsbeamte rechnete offensichtlich an diesem Tag nicht damit, gebraucht zu werden und war nicht auffindbar.

Nachdem der Migrationsbeamte seine Uniform angezogen hatte kam er freundlich lachend auf uns zu.

Er erklärte uns stolz die Funktion des oben erwähnten CA-4 Konglomerats und nach einigem Palaver verkündete er: Ende der Imigration nach Honduras, schönen Tag. Wir sollten jetzt zum Polizisten gehen, der die Fahrzeugpapiere sehen wollte. Auch dies verlief problemlos. Adios El Salvador.