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May 8, 2007 18:28:38
Der Beamte und ich
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Es eilt! In 3 Tagen muss ich Manuel in Lima abholen. Bis dahin sind noch knapp 1500km zurück zu legen. Was auf der deutschen Autobahn ein Klacks wäre, ist in Ecuador und Peru eine veritable Herausforderung!

Heute Morgen um 8 Uhr stand ich mit leichtem Kater unter der warmen Dusche des wunderschönen Ressort-Backpacker-Hotels in Vilcabamba. Die gestrige Party noch in den Knochen verabschiedete ich mich von Susan und James, die mit mir von Cuenca nach Vilcabamba gereist waren.

Ich rechnete mit ca. 2 Stunden bis zur Grenze von Ecuador, dann mit 5 weiteren bis zur Küste. Von da aus sollten die letzten 700km bis Lima in einem Tag zu schaffen sein. Ich machte die Rechnung ohne den Wirt.

Zugegebenermaßen war meine Routenwahl für die entstehenden Verzögerungen massgebend: Von Vilcabamba fuhr ich nach Zumba, was wohl die schönste Grenzstrasse der Welt ist. Gleichzeitig wohl auch die holperigste.

Nach 5 Stunden mit Tempo 30 erreichte ich gut geschüttelt den Grenzposten, der an einem Fluss liegt. Die Brücke ist mit einer Barriere aus Bambus und einem Volleyballnetz für die Kinder gesperrt. Volleyballnetz?

Der nette ecuadorianische Zollbeamte freute sich sichtliche über Gesellschaft – das letzte Auto, das die Grenze überqueren wollte, so erzählte er, wäre vor mehr als vier Wochen vorbei gekommen. Ich erklärte ihm den Gebrauch des Carnet de Passage und nach einigem hin-und-her erhielt ich meinen Stempel. Das Carnet macht Grenzüberquerungen per Auto doch recht einfach – nur wird es nicht überall akzeptiert. Ermutigt von der recht raschen Erledigung der Grenzformalitäten marschierte ich hoffnungsfroh unter dem Volleyballnetz durch zum Zollposten auf der peruanischen Seite. Da erwartete mich schon ein etwas missmutig drei schauender Grenzbeamter mit klassischem Inka-Gesicht. Ich schüttelte unaufgefordert seine Hand und drückte kräftig zu, um meine guten Absichten zu bekräftigen. Der Beamte schrie auf. Offenbar litt er an Gicht und Arthritis gleichzeitig und freute sich nicht sehr über die Demonstration meines guten Charakters.
Und dann ging es bergab. Er musterte mein Carnet und rieb sich bedächtig die lädierte Hand. Leider bemerkte er, was mir entgangen war: Das Carnet lief genau heute aus. Er erklärte, dass er mich unter keinen Umständen ins Land lassen könne und ich nach Ecuador zurück fahren solle. Ich erzählte, dass mein neues Carnet in Lima auf mich warten würde und dass das doch alles kein Problem wäre.

Njet. Ich müsse zurück nach Ecuador – Peru verstehe da keinen Spass. „Senor, por favor!“ meinte ich: Ich könne unmöglich nach Ecuador zurück, denn a) würden die mich gar nicht mehr rein lassen, und b) müsse ich dringend nach Lima. Ich fragte dann nach, ob ich nicht mit den üblichen Fahrzeugdokumenten mein Auto temporär einführen könne (dass dies funktioniert weiss ich von anderen Reisenden). Dann ging es los: Er holte Ordner um Ordner hervor, verglich die Dokumente des zuletzt eingereisten Autos mit exotischer Herkunft, welches vor mehr als vier Wochen aus den USA kam und meinte dann, dass die Schweizer Papiere keinen Sinn machen würden und dass ich nun endlich nach Ecuador zurück gehen solle. „Senor!“ sagte ich und fügte an, dass ich mitten auf der Brücke mein Zelt aufstellen würde wenn er mich nicht ins Land lassen würde. Darauf hin lief er aus dem Büro und liess mich stehen.

Nach 5 Mintuen kam er zurück – und sucht weitere Ordner hervor. Dann ging es los mit Daten vergleichen und schliesslich hatten wir alle nötigen Daten aus meinen Dokumenten zusammen. Gemeinsam füllten wir ein Formular um das andere aus – und schliesslich ging er zum Kalender und zählte mit dem Daumen der verwundeten Hand 90 Tage ab. Hierbei verzählte er sich 5 Mal und murmelte „problemos, problemos…“. Nach mehr als 3 Stunden hatte ich alle Formulare zusammen, einen weiteren Kleber auf der Windschutzscheib und wurde vom Zollbeamten, dem ich ein Fanta hin die gesunde Hand gedrückt hatte, „Amigo“ genannt.

Es konnte auf dem internationalen Feldweg weitergehen und kurz vor dem Eindunkeln erreichte ich San Principe. Nun sitze ich auf einem Hotelbett und bin zu der Überzeugung gekommen, dass hier mit Diesel geputzt wird. Es stinkt wie an einer Tankstelle.

Wie dem auch sei: Jedem Overlander möchte die Strecke Vilcabamba-Zumba empfehlen. Die Landschafts ist umwerfend schön. Nehmt aber mindestens ein überzähliges Fanta mit.