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October 2, 2007 05:58:17
Die “Killing Fields” von Pol Pot
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Die Regierung Kambodschas war korrupt und betrügerisch. In den frühen 70ern erhob sich im Norden des Landes eine Gruppierung, die sich “Khmer Rouge” nannte. “Khmer” stand für die Volksgruppe der Kambodschaner, “Rouge” sollte auf die damals hoch in Mode stehende kommunistische Orientierung hinweisen.

Die Roten Khmer kämpften sich vor. Wer ihr Befehlshaber war, blieb unklar. Ebenso ist bis heute nicht geklärt, wer diese politisch orientierte Armee gegründet hat. 1974 gelang es den Roten Khmer, in die Hauptstadt Phnom Penh vorzudringen. Sehr zum Missfallen der Amerikaner, die sich keinen weiteren kommunistisch regierten Staat wünschten. Gleichwohl und obwohl die Amerikaner mit diversen Bombardements die regulären Regierungstruppen unterstützt hatten (und dabei sehr viele Zivilpersonen in den Tod rissen), wurde die US-Botschaft geräumt und die meisten Ausländer ausgeflogen.

Die Bevölkerung begrüsste die Roten Khmer anfangs enthusiastisch. Es konnte ja nur besser kommen. Nun war auch klar, wer Befehlshaber war: Pol-Pot, ein ehemaliger und in Paris ausgebildeter Lehrer, dessen selbst gewählter Name „Politisches Potential“ bedeuten soll. Trotz seines viel versprechenden Namens unterliess es Pol-Pot, jemals ein politisches Manifest zu publizieren. Bald aber wurde klar, wohin es mit Kambodscha gehen sollte: Pol Pot sah einen Neubeginn vor, einen Tag „Zero“ der Khmer. Um diesen Neubeginn gewährleisten zu können und um ein Abdriften in alte Fahrwasser vermeiden zu können, wurde die alte „Classe Politique“ und sämtliche in irgendeiner Art ausgebildeten Kambodschaner ausgerottet. Wer Hände ohne Schwielen hatte wurde ebenso wie alle Brillenträger ermordet. Nur wer Bauer und absolut bildungsfrei war, durfte überleben. Die Städte wurden geräumt, die Universität und alle Bildungsstätten geschlossen. Zwei Millionen Menschen wurden in den 4 Jahren der Khmer Rouge Herrschaft hingerichtet.
Der Rest der Bevölkerung wurde zu 16-stündiger Zwangsarbeit auf den Reisfeldern eingeteilt. 

Wir haben gestern die sogenannten „Killing Fields“ nahe Phnom Phen besucht. Hier wurde zu Beginn der Schreckensherrschaft der Roten Khmer 8000 gebildete Menschen hingerichtet – zumeist mit Hammerschlägen auf den Kopf oder einem Hieb mit der Machete. Munition war zu teuer.  

Der Besuch war eine schreckliche Erfahrung, die mir näher ging als vieles, was ich bisher gesehen habe. Währenddem die Konzentrationslager der Nazis sich bei einer Besichtigung als kalt und irgendwie unpersönlich ausnehmen und es etwas Phantasie braucht, sich das Grauen, das dort stattfand, vorzustellen, benötigt es in auf den „Killing Fields“ nichts desselben.
Auf  einem vielleicht 1 Hektar grossen Areal finden sich zahlreiche Massengräber. In den ausgehobenen Löchern steht das Wasser knietief, da und dort ragt ein durch den Regen frei gewaschener Knochen aus dem Dreck. Überall finden sich Kleidungsfetzen der umgebrachten Menschen. Auf dem Gehpfad zwischen den Gräbern sehe ich einen Zahn liegen. Es ist unmöglich, nicht über Kleidungsstücke, die der Regen frei wäscht, zu stolpern. In der Mitte der Anlage wurde ein Turm gebaut, in dem hinter Glas die 8000 Schädel der gefundenen Leichen liegen. Geordnet nach Alter. Schaurig anzusehen.

1979 wurden die Khmer Rouge von der vietnamesischen Armee besiegt. Danach führten die Sowjets und die USA einen Stellvertreterkrieg auf den Feldern Kambodschas. Die Menschen mussten weitere 12 Jahre Krieg erdauern.
Die Prozesse gegen die führenden Khmer Rouge Mitglieder dauern bis heute an – Charlotte, eine Schweizerin die für das Tribunal arbeit, erzählt mir aus erster Hand davon. 
Ob allerdings ein Urteil gegen ein paar alte Männer den Heilungsprozess dieser arg geprüften Nation beschleunigen wird, bleibt dahingestellt.