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Zeitplan der PanMundo-Reise (PDF)


Marie-Eve wollte nach Toronto. Und da ich Marie-Eves Charme nicht widerstehen kann willigte ich ein, Toronto zu besuchen. Schliesslich gehören die Niagara-Fälle zu den Dingen, die man sich irgendwann mal anschauen sollte.
Die Down-Side des Projekts war, dass Marie-Eve primär ihres Boy-friends wegen nach Toronto wollte (das ist nicht nur eine Down-Side Torontos wegen) und ich fragte mich, was zum Teufel ich da unten tun würde.
Immerhin wohnte Don, der Kanadier der mich in Labrador zu einem Besuch bei seiner Familie einlud, in Orillia, was in der unmittelbaren Nähe (sprich: 3 Stunden entfernt) von Toronto lieg.
Doch einmal mehr war mir das Glück hold: An der Couch-Surfing Party am Abend zuvor lernte ich Jessie kennen. Jessie schien ein ähnliches Lebenskonzept wie ich zu haben: Sie genoss einen Sommer lang Montreal ohne wirklich viel zu tun zu haben und verfolgt aber gleichzeitig mit viel Entschlossenheit langfristige Ziele. Als sie hörte, dass wir nach Ottawa und Toronto fahren würden, entschloss sie sich spontan dazu, mitzufahren.
So brach ich am nächsten Tag um 14 Uhr in Begleitung zweier Damen, die ich beide sehr charmant fand, in Richtung Ottawa auf.
Ottawa, die Hauptstadt Kanadas, ist ein Besuch wert. Alles ist blitzsauber, das Parlamentsgebäude entspricht Kanadas Grösse als flächenmässig zweitgrösstes Land der Welt und die Cocktails sind exzellent. Insbesondere zu erwähnen ist das Katzenasyl direkt hinter dem Parlament, wo streunende Katzen ein Zuhause finden. Wir lernten auch einen Eichhörnchendresseur kennen, aber darauf möchte ich nun wirklich nicht näher eingehen.
Da es Marie-Eve aber nach Toronto zog, brachen wir bald wieder auf und erreichten die geschäftige Grossstadt mit 3 Millionen Einwohnern um 02 Uhr morgens mitten in einem Gewitter ohne Regen. Die Luft liess sich schneiden – würde die Temparaturanzeige des Land-Cruiser noch funkionieren, so hätte sie wahrscheinlich Harakiri begannen.
Wir übernachteten in Boy-friend’s Appartment, was mir eigentlich zuwider war. Wie Recht ich hatte, wurde mir klar als wir im Wohnzimmer waren. Marie-Eve’s Boy-friend war zwar nicht komplett unsympatisch (sein Fehler lag mehrheitlich darin, Marie-Eve's Boy-friend zu sein), seine Wohnung aber hatte die Qualität eines Backofens. Heiss. Sehr, sehr heiss. Weder ein Ventilator noch eine Klimaanlage schafften Erleichterung. Und da weder Jessie noch ich gut schlafen konnten, machten wir uns früh am nächsten Morgen auf, die Mutter aller Wasserfälle zu erforschen: die Niagara-Fälle.
Das ganze ist a) beeindruckend und b) sehr touristisch. Aber der Besuch hatte sich definitiv gelohnt, zumal wir auf der Rückfahrt nach Toronto durch Weinberge fuhren und spontan an einer Weindegustation mit Barbecue teilnahmen. Jessie sah Kirschbäume in voller Pracht und so genossen wir als Dessert frische Kirschen.
Überhaupt mochte ich Jessie immer besser – ihre Qualitäten als Kartenleserin und Co-Pilotin waren ausgezeichnet. Allerdings gibt es 3 Probleme mit ihr: Erstens kommt sich aus dem erz-christlich-konservativen South-Dacota, zweitens verfügt auch sie über einen Boy-friend und drittens ist sie wirklich sehr attraktiv. Eine explosive Mischung. Wie dem auch sei; ich konzentrierte mich aufs Steuern und fand Ablenkung mit der Suche nach Jet-Skis (die wir nicht
fanden) und fügte mich in mein Schicksal, von intelligenten und hübschen Frauen umgeben zu sein.
Nach einer Nacht auf dem Boden eines Studentenheims in Toronto (was ich aber als sehr luxuriös empfand, da die Klimaanlage die Räumlichkeiten auf angenehme 22 Grad kühlte) machten wir uns auf nach Orillia um Don zu besuchen.
Don war offenbar eher der bescheidene Typ. Nichts hätte mich ein paradisches Refugium dieser Art erwarten lassen. Nach einem Tag am Strand von Orillia (auch hier konnten wir keine Jet-Skis mieten) mit viel Sonne suchten wir das Anwesen der Munros. Gar nicht so einfach. Entsprechend seinem Beruf als Arzt/Chiropraktiker war Dons Handschrift schwierig entzifferbar. Ich fand mich damit ab, das Dachzelt aufzubauen, doch Jessie vertrat die Theorie, dass eine Handschrift auch lokal gefärbt sein könne. Sie sollte Recht behalten.
Nach einem Besuch bei der lokalen Tankstelle und ausgestattet mit genauen Routenangaben fanden wir schliesslich ca. 5 km ausserhalb von Orillia eine Ansammlung luxuriöser Anwesen in einem Wald. Doch welches war das Haus von Don und Cynthia? No clue. Also klopften wir bei den Nachbarn und erfuhren, dass wir den „spooky driveway“ durch den dichten Wald wählen sollten. Was wir sofort in die Praxis umsetzten. Don war dann einigermassen überrascht uns zu sehen (wahrscheinlich hatten bereits verschiedene Apotheker Probleme mit der Entzifferung seiner Rezepte), hiess uns aber gleichwohl willkommen.
Und nun war ich beeindruckt. Das Haus war in mitten von Bäumen gebaut und passt sich in den Wald ein, als wäre es schon immer da gewesen. Im Innern entsteht der Eindruck, im Wald spazieren zu gehen. Eine wahre Oase! Das Haus wurde 1981 in einem Magazin ähnlich dem deutschen "Haus&Garten" vorgestellt und war eines der ersten Passiv-Solar Häuser Kanadas. Dons Familie ist sehr sympathisch und im Allgemeinen muss ich sagen, dass ich mir Haus und Familie in dieser Art durchaus vorstellen kann. Eines Tages...
Cynthia kochte extra für uns ein ausgezeichnetes Mahl und nach viel Bier und noch mehr Reisetipps legten wir uns schlafen.
Beim Aufwachen hatte ich tatsächlich das Gefühl mitten im Wald zu stehen und es viel uns schwer, nicht noch länger zu bleiben. Da aber auch Don keine Jet-Skis hatte machten wir uns auf, um unsere bislang so erfolglose Suche fortzusetzen.
Jet-Skis fanden wir auch an diesem 4. Tag unserer Reise nicht, dafür mieteten wir im Algonquin Nationalpark ein Kanu, welches wir nach einem romantischen Mittagessen auf einer kleine Insel ohne grosse Mühe zum Kentern brachten. Ich war extrem froh, dass Marianne mir einen wasserdichten Schwimmbeutel mit auf meine Weltreise gegeben hatte – ansonsten würde eine Kamera die ohnehin schon lange Verlustliste dieser Reise ergänzen.
Nachdem wir das Wasser aus dem Boot geschöpft hatten erreichten wir nach langer Fahrt Ottowa, wo uns ein Sonnenuntergang erwartete. Zu diesem Zeitpunkt wusst ich, dass es mir schwer fallen würde, die nächste Reiseetappe ohne Jessie als Co-Pilotin anzutreten. Und dass ich Marie-Eve und die Girls nur ungerne verlassen würde.