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January 7, 2008 15:14:26
Live aus Kobe: Mein bisher bestes Rindssteak
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Für 137 Franken kann man sich einiges kaufen. Drei Flaschen Champagner zum Beispiel. Oder einen halben Reifen für einen Land-Cruiser. Man kann aber auch – vorausgesetzt der Standort ist Japan – ein 250 Gramm Stück Fleisch kaufen.
Verrückt?

Vielleicht. Allerdings: Man lebt nur einmal. Und wenn es sich bei dem Fleischstück um ein Sirloin-Steak von einem Kobe-Rind handelt, dann lohnt es sich!
Rückblick: Ich habe ausgezeichnete Steaks in Argentinien und Tibet (Yak-Steak!) gegessen, Fahrradsättel in Guatemala gekaut und als ehemaliger Krawattenträger mein Spesenkonto bei Fleischorgien in Zürich strapaziert. Mein Wahlspruch ist und war schon immer, dass Kühe primär der Ernährung dienen, sekundär den Schweizer Tourismus unterstützen und japanische Touristen mit ihren Glocken erfreuen und mitunter zu den Tieren mit dem traurigsten Kopfgrösse-Gehirn-Verhältnis (KG-Ratio) gehören. 
Wie dem auch sei – was immer ich über Fleisch weiss oder zu wissen glaubte – seit gestern spiele ich ein einer neuen Liga. „Zart“ ist nur der Vorname. Ein Kobe-Steak zergeht auf der Zunge. Corega-Tabs-Nutzer können ihre Zähne getrost im Glas lassen – die Zunge genügt zum Zerteilen des Fleisches. Der Geschmack ist von einer anderen Welt – wenn ein Bio-Rind ein Blauburgunder ist, dann ist das Kobe-Beef ein Premier-Grand-Creux des erlesensten Jahrgangs.

Ein Kobe-Rind geniesst das Leben bis Schlachtung! Es wird täglich 2 Stunden massiert (das Massageöl wird mein Reiswein ersetzt), bekommt nur bestes Futter (nur bestes Getreide, Rüben und Kartoffeln) vorgesetzt, muss keinen unnötigen Schritt tun (d.h.: kein Schritt) und… …trinkt nur Bier?
Das konnte ich dann doch nicht glauben. Die Legende besagt zwar, dass ein Rind bis zu zwei Flaschen Bier pro Tag trinkt (dies soll den Hunger anregen); gleichwohl: Wir sind nun seit 4 Wochen quer durch Japan gefahren ohne auch nur eine betrunkene Kuh zu sehen. Alles andere aber scheint zu stimmen – und das Resultat unterstreicht den Sinn der Bemühungen. Das Fleisch ist fein marmoriert, weist einen sehr geringen Anteil an Fettsäuren auf und schmeckt einfach HIMMLISCH.
Die Zubereitung als solches ist nicht sehr kompliziert – wird aber zelebriert. Unser Koch briet erst hauchdünne Knoblauchscheiben an, wendete jede davon EINZELN und stellt mir anschliessend mein Steak vor. Nachdem zwischen dem Fleischstück und mir eine Beziehung gewachsen war, wurden wir über die nächsten Schritte der Zubereitung informiert, nach unseren Präferenzen gefragt („bien cuit“ wäre eine Todsünde!) und schliesslich schien der Koch in eine Art Trance zu verfallen und widmete sich seiner Aufgabe ohne weiter auf seine Umgebung zu achten.
Die 250 Gramm sind schnell gegessen – zu schnell! Meine Investition hat sich gelohnt – es war perfekt. Schade nur, dass in Zukunft auch das beste Schweizer Bio-Rind  mein Blut nicht mehr in Wallungen versetzen können wird.
Schlussendlich möchte ich den Schweiz Bauern zurufen: „Hört mich an, Ihr Mannen, massiert Eure Kühe, teilt Euer Bier fair mit ihnen und um Himmels willen – lasst die armen Rinder auch öfter mal ausruhen!“

Ps: Hier der Link zur offiziellen Kobe-Rind Homepage: http://www.kobe-niku.jp/