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Zeitplan der PanMundo-Reise (PDF)



March 18, 2008 09:19:03
Moskau: $$$
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Juhee! Ich bin in Moskau angekommen! Meine Erleichterung ist gross – die letzen Tage waren dann doch ein bisschen mühselig. Lastwagen hinten, Lastwagen vorn, Schneematsch überall… Pro Tag verbrauchte ich 4 Liter Scheibenwischwasser. Überall geldgierige Polizisten – ein Augenblick Unachtsamkeit in Sachen Verkehrsschilder, und es kann teuer werden.

Moskaus Stadtzentrum zu finden ist einfach, da die Stadt sternförmig aufgebaut ist: Aus welcher Richtung man auch kommt, die Strasse wird einem zum Roten Platz führen. Da will ich auch hin – meine Ex-Freundin, eine BBC-Reporterin, die für die Präsidentschaftswahlen gerade in Moskau weilt, wird mich erwarten und mir den Weg zu meiner Schlafgelegenheit, einer katholischen Kirche (!), zeigen.

Beim Roten Platz angekommen finde ich alles unverändert vor – wie bei meinem ersten Besuch in Moskau im Jahre 2002 kann man immer noch direkt unter dem Roten Platz gebührenfrei parken, wie damals fotografieren sich hunderte Russen vor Lenins Grab. Ich schliesse die Türen des Land-Cruisers und genehmige mir, auf was ich schon lange gewartet habe: Die zweitletzte Zigarre meiner Reise.

Zigarren haben Höhepunkte der Panmundo-Weltreise markiert – in Prudhoe-Bay (nördlichster Zipfel Alaskas) zündete ich eine an; ebenso in Ushuaia (südlichster Punkt meiner Reise) oder Kambodscha (nach der 4-tägigen Schlammschlacht im Norden) und in Japan, wo ich Weihnachten mit Nicole verbrachte.
Und nun habe ich also Russland durchquert – im Winter. Ein bisschen stolz bin ich schon – aber ich muss auch zugegeben – ganz so hart war es nicht. Das Auto läuft immer noch problemlos – ein platter Reifen und die gefrorene Leitung zwischen Haupt- und Zusatztank waren die einzigen Probleme, die zu bewältigen waren. So richtig eiskalt war es mit maximal -32.5 Grad auch nicht.
Ich marschiere quer über den Roten Platz, treffe Genia, wir trinken einige Bierchen und essen „Blini“ (es ist Pfannkuchenwoche in Moskau) und schon ist es Mitternacht und ich stehe vor der Katholischen Kirche im Zentrum Moskaus. Andreas, der Schweizer, den ich in Tomsk besucht habe, hat mir diese Bleibe vermittelt. Und besser geht es nicht – ich darf den Land-Cruiser hinter der Kirche parken und bekomme ein einfaches aber sauberes Zimmer mit Kreuz an der Wand. All das für nur 30 Euro pro Nacht inkl. Frühstück zusammen mit den Nonnen (die übrigens alles „Schwester Maria“ heissen) – im Stadtzentrum Moskaus ein Rekord! 

Dann schlafe ich  - 14 Stunden wie ich zu meinem Erstaunen am nächsten Morgen (oder eben: Nachmittag) feststellen muss. Das Frühstück habe ich offenbar verpasst, also mache ich mich sogleich auf, Moskau zu Fuss zu erkunden.
Immer wieder sehe, respektive höre ich, wie der Verkehr quietschend zum Stehen kommt – dann erklingt ein tiefes Brummen und wie ein Blitz rauscht ein schwarzer Geländewagen mit Blaulicht an einem vorbei. Alltag Moskau, Kapitalismus pur.
Die Mercedes G-Klasse in der AMG-Ausführung ist in Moskaus Oberschicht beliebt –wer so ein Auto fährt, hat definitiv das vielbeschworene „eingebaute Vortrittsrecht“ in der Zubehörliste angekreuzt. Eine rücksichtslosere Fahrweise habe ich nirgendwo gesehen – wer Geld hat, darf in Moskau einfach alles. Kein Polizist zuckt mit der Wimper, wenn ein Porsche Cayenne bei Rot über die Kreuzung braust, kein Wachtmeister käme auf die Idee, bei einem Unfall den Schuldigen im Chauffeur der S-Klasse zu suchen, wenn das andere Auto ein alter Lada ist. Für umgerechnet ungefähr 10'000 Dollar oder den entsprechenden Beziehungen kann man ein Blaulicht „erstehen“. Und danach gilt: Polizist guckt weg, Fahrer gibt Gas, alte Frau traut sich nicht mehr über die Strasse.
Was auf der Strasse die Regel ist, wir abends in den Clubs fortgesetzt. Grimmige Türsteher, die sicher keinen Schönheitskontest und schon gar keinen Intelligenztest gewinnen würden, führen eine „Face Controll“ durch. Die Regeln sind anders als in der Schweiz, wo man überall reinkommt wenn man eine hübsche Dame oder zwei am Arm hat: In Moskau kommen a) arrogante, dicke Russen, die geschmackslos und teuer gekleidet sind sowie b) Ausländer, wie ich, rein.
Damen werden nur bedingt zugelassen, denn: Keine schicke Moskauerin käme auf die Idee, in der Disco selbst für einen Drink zu bezahlen. Entsprechend sind zu viele Damen, die den korpulenten Geschäftmännern den Platz an der Bar streitig machen, geschäftsschädigend (ist man erst einmal drinnen kann man sich beruhigt zurück lehnen: Das Frauen-Männer Verhältnis ist immer noch mindestens 2:1).
Ich bin entsprechend nicht erstaunt, als mich zwei Mädels in der Schlange vor einem angesagten Club fragten, ob sie mit mir rein dürften. Und wirklich: Schönheiten werden abgewiesen, Ausländer kommen rein. Die Mädchen sind begeistert und weichen den ganzen Abend nicht von meiner Seite (erst als ein Russe bereit ist, den Champagner zu finanzieren, den ich nicht berappen will, verabschieden sich die beiden Hübschen).
Geld regiert. Dies stimmt für die Strasse; in der Politik verhält es sich aber anders. Dort regieren Putin und seine KGB-Freunde. Demokratie? Forget it. Der neue Präsident wird der alte sein – Medvedev wird als Putins Lakai amtieren, da sind sich alle (kritischen) Russen einig. Die Gegner Putins werden ohne Handschuhe angefasst: Es kann schon mal vorkommen, dass sich ein Helfer Kasparows nicht in der Lage sieht, sein Haus zu verlassen um zu einer Pressekonferenz zu fahren – denn: FSB-Schergen haben seine Haustüre zugeschweisst.

All dies verbanne ich aber erstmal aus meinen Gedanken: am zweiten Tag erkunde ich Moskau per U-Bahn, und will gar nicht mehr raus aus den Tunnels: Viele der U-Bahnstationen (speziell auf der braunen Ringstrecke) können es mit Palästen irgendwo auf der Welt aufnehmen. Überhaupt finde ich die Architektur Moskaus fantastisch: Mir gefällt die Mischung aus Bombastischem und Farbenprächtigem – und davon gibt es in Moskau einiges.
Die nächsten Tage werde ich Moskau erkunden, ab und zu gut essen (ich will mal wieder eine anständige Pizza!) und ein bisschen Party feiern. Wir haben es uns schliesslich verdient!