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October 25, 2007 19:49:15
Operation Vietnam I
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Da sitz ich nun, ich armer Tropf. 
Na ja, ganz so schlimm ist es noch nicht. Die Lage ist schwierig, aber weder verzweifelt noch aussichtslos.

Nachdem ich gestern von Monique und Sven bei einigen Bier Abschied genommen hatte, bin ich heute Morgen um 06 Uhr in Phansavan mit gemischten Gefühlen los gefahren. Wie würde es mir dieses Mal an der Grenze zu Vietnam ergehen? Es gab drei Szenarien: 1) Sie lassen mich einfach so rein, schliesslich komme ich aus dem befreundeten Staate Laos, und Laoten dürfen mit ihren Autos auch nach Vietnam. 2) Ich muss mein Auto an der Grenze stehen lassen und per Bus 250km nach Vinh in die Provinzhauptstadt fahren, um ein „Permit“ von der dortigen Polizei zu erhalten. 3) Sie lassen mich gar nicht rein. 

Variante 1 schien mir unwahrscheinlich, auf Variante 2 hoffte ich und Variante Drei würde bedeuten, nach neuen Routen und Möglichkeiten suchen zu müssen.


Die Fahrt zur Laos-Vietnam Grenze war malerisch – hohe Bergrücken, mit Wald und grünen Wiesen bedeckt, ein sanfter Bodennebel und goldenes Morgenlicht. Schon um 08:30 Uhr erreichte ich die Grenze und durfte den Land-Cruiser vor dem Polizeiposten auf der Laotischen Seite parken. Ich bückte mich unter dem Schlagbaum durch und wurde nach einem kurzen Marsch durch ein Tal auf der vietnamesischen Seite auf Englisch begrüsst. Das war doch schon mal verheissungsvoll!

Der junge Polizeibeamte fragte mich nach meinem Anliegen und begleitete mich zum Zoll. Dort wurde mir erst mal ein „Unmöglich“ offeriert. Ok, Variant 1 war gestrichen. Ich insistierte, erklärte, dass ich von anderen Reisenden wisse, die sich in der Provinzhauptstadt ein Permit holten. Der Polizeibeamte übersetzte für mich und schon bald standen 5 Beamte in schwarzen Zolluniformen um mich und untersuchten meine Papiere. Dabei wurden auch alte Frachtpapiere aus Argentinien und mein militärischer Führerausweis, der sich im gleichen Etui wie die Fahrzeugpapiere befand, genau betrachtet.

Schliesslich diskutierten die Zöllner hitzig und er Chefzöllner, dessen Stirn mit einer Art Elvis-Locke geziert war, griff zum Telefon. Er brüllte für 5 Minuten in den Hörer, wurde offensichtlich verbunden und „mein“ Englisch sprechender Polizist erklärte mir „he fighting for you!“.

Das Gespräch schien bedingt erfolgreich verlaufen zu sein. Stolz erklärte man mir, dass man nun ein Fax an den Polizeichef der Provinz schicken würde. Falls eine positive Antwort zurückkommen würde, so dürfe ich a) per Bus nach Vinh fahren um ein Permit zu erhalten und dann an die Grenze zurück zu kehren oder b) direkt nach Vietnam einfahren. Welche der beiden Optionen wirklich gemeint war, konnte ich nicht herausfinden.

Nach einer Stunde Nichtstun fragte ich nach meiner zu erwartenden Wartezeit und wurde gebeten, um 14 Uhr wieder zu kommen. Also marschierte ich zurück nach Laos, fand ein Restaurant (genauer gesagt eine Plache auf 4 Pfählen mit einem Herd), welches Nudelsuppe servierte, und gönnte mir ein verspätetes Frühstück.

Zurück auf der vietnamesischen Seite wurde ich von meinem Polizeibeamten in Beschlag genommen und wir diskutierten ein bisschen auf Englisch. Dies schien im sichtlich zu behagen, dann nach 30 Minuten erhob er sich und kam mit einem Notizbuch, in dem er sich englisch Worte, die er im Fernsehen aufgeschnappt hatte, aufgeschrieben hatte. Ich erklärte ihm die Betonung der Wörter und wir lernten ein bisschen Englisch zusammen. Später lud er mich ein, mit seinen  Kollegen Badminton zu spielen. 14 Uhr war lange durch, aber was soll’s, „no news are good news!“. Das Badminton entpuppte sich als Volleyball und schnell stellte ich fest, dass ich ziemlich aus der Übung war. Die Beamten konnten spielen und schonten mich nicht. Ich parierte die Schmetterbälle so gut es ging und wurde mit einem Mineralwasser und anerkennenden Worten (wahrscheinlich – ich konnte ja nichts verstehen) belohnt.

Um 16.30 Uhr wurde ich informiert, dass heute offenbar nicht mehr mit einer Antwort zu rechnen sei, und dass ich morgen zurückkommen solle. Mein Polizist meinte, ich solle mir keine Sorgen machen – die Chancen stünden 50:50. Und falls wir morgen wieder warten müssten – sie hätten auch noch einen Tischtennistisch.Nun sitze ich im kleinen loatischen Ort Nam Can, ca. 11km vor der Grenze. Mein Guesthouse ist hübsch, allerdings muss ich auf fliessend Wasser und Strom verzichten. Auch habe ich genug von den ewigen Nudelsuppen – also wird mein nächster strategischer Schritt mich in meine Reiseküche führen, um europäische Ravioli zu kochen.


Mal sehen was der morgige Tag bringt. Falls keine Bewilligung in Greifnähe rückt, werde ich es an einem Grenzübergang weiter südlich probieren. Falls auch dies missglückt, bleibt die Option, die Schweizer Botschaft einzuschalten. Und wenn auch das nicht weiterhilft werde ich wohl oder übel nach Bangkok zurück fahren müssen und mein Auto von dort nach Japan verschiffen.

Over and out.