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May 31, 2007 01:59:05
Patagonia!
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Man durchquere 12 Mal die Schweiz. Entferne alle Siedlungen, Dörfer und Häuser.  Sowie die Berge – die müssen auch weg. Ein paar Kuhhirten sind ok, aber mehr Zivilisation bitte wirklich nicht. Dafür bietet Patagonien Sonnenuntergänge. Und endlose Ebenen, die in allen Farben schillern. Und dann, wenn man sich gegen Westen wendet, doch auch ein paar Berge. Eigentlich sogar verdammt schöne Berge! Der eine Berg, der sich Mount Fitzroy nennt, kann es mit dem Matterhorn aufnehmen. Und ist bezüglich Erklimmung einiges anspruchsvoller.

Rückblende: Seit fast einer Woche reise ich mit Kirsty and Richard. Zwei perfekte Mitreisende. Waliser. Nicht Britten, um Himmels Willen! Ich habe die zwei in Valparaiso, Chile, kennen gelernt und nun reisen wir gemeinsam Richtung Ushuia, Tierra del Fuego! Zu dritt verspeisen wir ganze Rinder – und die schmecken hier! Argentinien kann was! Ein normales Steak überragt den Teller um das doppelte, ist blutig und schmeckt. In dieser Beziehung hält Argentinien was es verspricht. Dafür habe ich bis jetzt weder Tango-Tänzerinnen noch Polo-Spieler kennen gelernt.
Wir fahren mehr als 500km pro Tag. Südwärts auf der famosen und holperigen „Ruta 40“. Ein weiteres Mal bin ich nicht in der Lage, die Landschaft in ihrer ganzer Schönheit und Gewalt zu beschreiben. Auch die Fotos können das nicht. Es ist einfach grösser, als dass man sich das als Europäer und/oder Schweizer vorstellen kann.
Bevor wir uns endgültig ins tiefe Patagonien wagen tanken wir Energie in Bariloche. Der Land-Cruiser verliert Schmieröl in der Steuerung – neue Dichtringe müssen her. Die sind aber nicht zu bekommen und ich kaufe Schmieröl auf Vorrat (später ersetzte ich dann das Öl mit Fett). 
Nach 3 Tagen herrlichen Nichtstuns fahren wir in noch in der Dunkelheit los – es wird nun nicht vor 9 Uhr morgens hell. Auch ist es nun merklich kühler – wir fahren in den Winter. Kurz nach Tagesanbruch wollen wir volltanken – und erleben eine Überraschung: Fahrzeuge mit ausländischen Kennzeichen zahlen pro Liter Diesel das Doppelte! Da sich unser Tankwart nicht gesprächsbereit zeigt fahren wir zur nächsten Tankstelle (was knapp 300km entspricht). Hier lässt man mit  sich reden und gegen ein grosszügiges Trinkgeld können wir zum normalen Preis (der ungefähr 50 Rappen entspricht!) tanken.
Im nördlichen Patagonien leuchten Felder und Wälder in allen Farben – es ist Spätherbst! Nach 2 Tagen im Auto erreichen wir El Chalten – und irgendwas während der langen Fahrt muss eine mittlere geistige Verwirrung bei mir verursacht haben. Am nächsten Morgen bei Sonnenaufgang (das klingt jetzt cool, aber der Sonnenaufgang in Patagonien findet nicht vor 9:30 Uhr statt) marschieren wir los. Es gibt drei Wanderrouten durch den Glaciar Nationalpark bei El Chalten. Wir beschliessen, in einer Runde gleich alle 3 Routen abzulaufen. Mit uns läuft ein Franzose, den ich nicht ganz ernst nehmen kann, weil er ein Nasen- und Augenbrauen-Piercing hat (und das korreliert meines Erachtens mit einer schlechten Kondition). Wie also soll er uns auf unserer Expedition in den Schnee folgen können? Später und vor allem beim Rückmarsch ändert sich das und ich kann mich selbst nicht mehr ganz ernst nehmen, da ich es bin, der den nicht-aufhörenden Rundkurs vorgeschlagen hatte.
Wir sind 12 Stunden unterwegs. Davon 3 Stunden im tiefen Schnee weil wir (und vor allem ich) auf dem an sich gesperrten Bergpfad zum Basislager der Mt. Fitzroy-Besteiger vorstossen wollen. Es ist wunderschön. Und der Wind weht fast immer von hinten. Trotzdem muss ich nun feststellen, das Land-Cruiser fahren zwar Spass macht, meine Kondition dadurch nicht nachhaltig gefestigt ist. Mensch, die letzten Kilometer sind ein Leidensweg. Und der Franzose rennt als rieche er frische Baguette in der Luft.
Am nächsten Morgen schleppe ich mich mühsam zum Auto und erklimme die vier Meter Höhendifferenz zur Führerkabine. Wir fahren zum berühmten Perito Moreno Gletscher – und seit dem weis ich, dass der Aletschgletscher Kindergeburtstag ist. Dieser Gletscher wächst unaufhaltsam (was, Klimaerwärmung??) und endet in einem türkisblauen See. Immer wieder brechen Eisblöcke los. Das schönste aber ist: Der Gletscher ist blendend weiss! Weiter zu meiner guten Stimmung trägt die Tatsache zu, dass man das ganze quasi vom Parkplatz aus ansehen kann. Jeder Schritt ist mir zuviel!
Später fahren wir weiter Richtung Süden. Bald werden wir Ushuaia und das Ende der Welt erreichen.