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Zeitplan der PanMundo-Reise (PDF)


Ich kann jedermann nur empfehlen, 30 zu werden. Ein Beispiel: Eine Band kommt. Und rockt. 45 Freunde singen zwei Mal Happy Birthday; das zweite Mal so laut, dass die lieben Nachbarn zum Telefon greifen. Die Dachterrasse ist beheizt, das kalte Novemberwetter stört niemanden. Der Champagner wärmt den Magen. Überall gute Stimmung, schöne Frauen (die schönste ist meine Freundin). Es gibt Raclette vom Chefkoch und viele leckere Geburtstagskuchen. Plus eine Zigarre um Mitternacht.
So kann das aussehen. Ich wäre damit ganz zufrieden ;-)
Nach einem halben Jahr zu Hause scheint meine Resozialisierung einigermassen abgeschlossen. Klar, es war nicht ganz trivial, eine Wohnung in Zürich zu finden. Aber nun ist sie da, und zwar mitten in der Altstadt. Wichtiger noch: Meine Freunde von früher sind immer noch meine Freunde – und das ist eigentlich das Beste der ganzen Heimkehr.
Der Sommer war meiner Dissertation und der Jobsuche gewidmet. Was ich als eigentliches Abenteuer empfunden habe:Der Schweizer Arbeitsmarkt war ausgetrocknet, die Angebote kamen von allen Seiten. Nur was wählen? Ein eigenes Unternehmen gründen? Als „late co-founder“ in ein bestehendes Start-Up einsteigen? Über eine langfristige Nachfolgeregelung ein bestehendes KMU übernehmen? Oder doch wieder als Angestellter viel Kohle scheffeln?
Die Gespräche mit den Head-Huntern waren interessant – allerdings musste ich auch feststellen, dass Head-Hunter die Tendenz haben, einem das vorzuschlagen, was man bereits gemacht hat (einmal Consultant, wieder Consultant). In vielen Gesprächen mit KMU-Verkäufern stellte ich fest, dass die Inhaber, die altershalber einen Nachfolger suchen, einen „clean cut“ bevorzugen. Also kein jahrelanges Abstottern bis man die Aktien alle gekauft hat, sondern einmal eine grosse Überweisung. Diese Überweisung hatte ich nur leider in den letzten zwei Jahren verreist. Also kein Unternehmenskauf. Viel besser sah es an der Start-Up Front aus: Nach Gesprächen mit Business-Angels und Venture Capitalists in Berlin und der Schweiz wurden 3 Angebote an mich herangetragen: CEO einer innovativen Musikplattform, Co-CEO einer Schauspieler-Online-Agentur, Co-Founder einer Suchplattfrom. Interessant, aber noch nicht genau das, was mein Glück perfekt gemacht hätte. Also vielleicht doch selbst was aufbauen? Meinen Restaurant Businessplan hervor holen? Ja schon, nur schade dass sich meine Traum-Geschäftpartnerin gerade für ein anderes Venture entschieden hatte (ist denn 2 Jahre Warten zu viel verlangt?). Oder eine Online-Schneiderei aufmachen und meine Vietnam-Kontakte nutzen? Why not, aber wann würde ich da mal richtig Geld verdienen? Ich wusst nicht was, fühlte mich aber prima – die vielen spannenden Optionen!Immer wieder mal erschien eine andere Sache am Horizont: In Moskau noch hatte mich auf dem Parkplatz der katholischen Kriche, wo ich residierte, ein piekfein gekleideter Amerikaner namens Greg angesprochen (ich lag unter dem Land-Cruiser und schraubte eine Bodenplatte fest). Er wollte mehr über meine Reise erfahren und erzählt dann seinerseits, dass er für eine Schweizer Beratungsfirma arbeiten würde. Wir tauschten unsere Karten und ich hatte weitere 5000km vor mir.
Siehe da, bereits 2 Tage nach meiner Heimkehr klingelte mein Telefon, und Greg fragte nach einem gemeinsamen Bier. Dieses tranken wir und Greg erzählt mir mehr von seiner Unternehmung – die eben genau Leute wie mich suchen würde. Ich war geschmeichelt. Bei einem späteren Mittagessen mit dem CEO des Unternehmens nahm mein Interesse am Unternehmen zu – nicht im gleichen Masse wuchs allerdings meine Begeisterung für den diskutierten Consulting-Job. Ich wollte ja eigentlich gar nicht Angestellter werden – auch nicht für noch so eine spannende Boutique Consultancy. Wir fanden uns nicht, und ein bisschen traurig stimmte mich das – schliesslich waren die Menschen, die ich bei Gregs Firma traf, alle sehr sympatisch. Es wurde Herbst, ich führte einerseits Gespräche mit einem schwerreichen Deutschen um Projektleiter seines Family-Office zu werden, andererseits hielt ich das Angebot einer grossen Schweizer Baufirma in Händen(wo ich als Inhouse-Consultant zu 90% auf Reisen gewesen wäre) und schrieb gleichzeitig fleissig an meinem Schneiderei-Businessplan. Eines Abends ruft Greg, mit dem ich unterdessen einige Male Cocktails getrunken hatte, wieder an. „News for you Mr. Reichmuth!“ Ich war gespannt. Greg erzählte mir von den Plänen seines Bosses Nick, eine Stiftung für globale Nachhaltigkeit zu gründen. Das war spannend! Das Thema Nachhaltigkeit und Erneuerbare Energien hat mich schon während meiner Weltreise vermehrt zu interessieren begonnen - und sogar ich habe begonnen, die Gefahren der globalen Erwärmung ernst zu nehmen. Und eine Stiftung mitaufzubauen, das hiess ja arbeiten in einem Start-Up Umfeld! Dann Erneuerbare Energien. Das „hot topic“ fürs 21. Jahrhundert! Und vor allem ein Feld, wo man wirklich etwas Gutes tut. Meine Begeisterung schlug in Abschlusswillen um und bei einem Abendessen einigten Nick und ich mich darauf, loszulegen. Und bisher habe ich es nicht bereut!
Nun arbeite ich also wieder in Zürich, habe Spass an der Arbeit, geniesse die Schweizer Annehmlichkeiten und die Abende im Kreise meiner Freunde… In ein Loch, wie viele andere Reisende es mir vorhergesagt hatten, bin ich bisher nicht gefallen. Trotzdem, meinen Geländewagen werde ich nicht verkaufen. Und diesen jederzeit einsatzbereit für das nächste Abenteuer halten.
Stay tuned für Panmundo 2.0!