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April 24, 2007 16:15:18
Ueberfall!



Endlich erleben wir auch mal was. In Rio Verde, Ecuador, trafen wir auf Martina und Erik von www.liveyourdreams.me.uk. Vor knapp einem Jahr haben wir uns in Lemington Spa nahe Birmingham kennen gelernt – damals war ich gerade mal 2 Wochen auf Weltreise und Erik hat noch fleissig an seinem Land-Rover geschraubt. Nun sind die beiden schon durch Argentinien, Brasilien, Chile, Bolivien und Peru gefahren!

Wir hatten viel zu erzählen und der Nachmittag verging wie im Flug. Gegen Abend packte mich eine merkwürdige Unruhe, die ich auf mangelnden Sport zurück führte. Also packte ich meine Turnschuhe und joggte der Bergstrasse entlang (wir sind auf über 2'500 M.ü.M.!). Nach ca. 40 Minuten und schon auf dem Rückweg sah ich im Wald am Strassenrand einen roten Haarbüschel, der sich im Gebüsch bewegte. Aha, Survivial-Touristen!

Ich dachte an nichts Böses und schickte gerade ein fröhliches „Hola!“ in Richtung Haarbüschel als mir ein „Please! Help me!“ entgegenkam. Dann ging alles sehr schnell: Der Haarbüschel gehörte zu einer norwegischen Touristin, die an Händen und Füssen mit Klebeband gefesselt war, halb geknebelt noch mit Klebeband quer über den Kopf, dreckig und gekennzeichnet von argen Misshandlungen.

So schnell es ging befreite ich die Frau, die zitterte und völlig im Schock war. Wenche erzählt mir, dass sie früher am Nachmittag von ihrem Fahrrad gerissen, geschlagen und in ein Auto gezerrt wurde. Vier Männer hätten sie gefesselt, so dass sie kaum atmen konnte, und unter Todesdrohungen gezwungen, den Code von ihrer Visa-Karte bekannt zu geben. Dann fuhren sie im Touristenort Banos von Bank zu Bank und hoben ab, was die Karte hergab. Schliesslich entführten die Kriminellen Wenche in die Berge und liessen sie gefesselt und geknebelt im Wald zurück.

Sie konnte sich nicht befreien aber schaffte es, auf den Waldweg zu rollen, den ich entlang joggte. Vier Männer gegen eine Frau! Und dermassen gewalttätig! So eine Sauerei! Ich wünschte die Entführer zur Hölle!

Nachdem ich Wenche so gut es ging beruhigt hatte und ihr versicherte, dass die Entführer nicht zurück kommen würde, da sie schon hatten, was sie wollten, begleitete ich sie zu unserem Campingplatz. Dort übernahm es Rich, der schottische Eigentümer, die Polizei zu holen und ihr erstmal einen Kaffee zu kochen. Mit unserer Bordapotheke verarztete ich die Frau so gut es ging und desinfizierte die Schnitt- und Schürfwunden.

Es ist also doch gefährlicher hier, als dass wir dachten! Und ich muss ehrlich sagen: Ich denke, Kolumbien ist weniger gefährlich als Ecuador. Die Menschen hier in Ecuador scheinen häufig ein bisschen passiv zu sein. So haben nach Venkas Aussage mehrere Leute untätig der Entführung zugeschaut. Die Kolumbianer sind da irgendwie fixer, da bin ich mir sicher. Fairnesshalber ist anzufügen, dass uns Rich versicherte, dass so was in den drei Jahren, in denen er nun hier lebt, noch nicht vorgekommen ist.

Wir werden nun einige Tage zu viert und mit zwei Autos unterwegs sein und alles überfahren, was sich uns in den Weg stellt. Fragen stellen können wir später.