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Zeitplan der PanMundo-Reise (PDF)


Colorados wird von der Natur zurück erobert. Direkt am reissenden Rio Negro liegt es; früher hat hier sogar die Eisenbahn angehalten. Nun hängt eine Wäscheleine über den zwei Geleisen. Das Gras wächst hoch – der letzte Zug ist vor Jahrzehnten hier durch gefahren.
Wir holpern über den alten Schulhausplatz, wo ein Plakat zur Wahl der liberalen Partei aufruft. Die Wahl hat im Jahr 1998 stattgefunden.
Nun kommt uns Orlando auf seiner Kawasaki entgegen. Er ist der Statthalter der Familie Calderon, die hoch oben über Colorados eine 1500 Hektar grosse Finca besitzt und uns zu einer Besichtung eingeladen hat. Orlando fährt uns die letzten Meter voraus – direkt neben dem braunen Fluss parkieren wir in einem Schweinstall.
Zu dritt marschieren wir los – die Sandalen wurden gegen die schweren
Bergschuhe getauscht. Die nächsten 40 Minuten klettern wir einen steilen Hang hoch. Wann immer wir den Kopf drehen werden wir von einer gewaltigen Aussicht belohnt. Das Dorf wo unser Auto steht, verschwindet fast im Grün des Waldes – ich fühle mich an Garcia-Marquez’ Dorf Macondo erinnert, das in „100 Jahre Einsamkeit“ auch wieder vom Dschungel einverleibt wird.
Orlando erzählt uns unterwegs von den Bewirtschaftungsmethoden der Finca. Es werden Bäume
gezüchtet; Teak und Balsa Holz vor allem. Das ganze ist ein sehr spannendes Geschäft, das jedoch einen langen Atem seitens des Besitzers voraussetzt. Zwischen der Initialinvestition und den ersten nennenswerten Erträgen vergehen 20 Jahre. In den letzten drei Jahren wurden 100 Hektaren bepflanzt – nun wird nach Investoren für die weitere Bepflanzung gesucht. Orlando erzählt sehr spannend und die Wanderzeit vergeht wie nichts. Wir erreichen das Bewirtschaftungshaus wo uns Orlandos Frau Patrizia schon mit selbst gemachter Zitronenlimonade und Maracuia-Saft erwartet.
Doch der Saft alleine genügt nicht: Orlando öffnet eine Falsche Néctar – die bekannteste Marke aus der Familie der Aguardiente. Das Gesöff ist ziemlich s
tark und schmeckt nach Anis – aber gut ist es schon.
Frisch gestärkt und um einiges wagemutiger satteln wir um: Anstelle der gewohnten 170PS des Land-Cruisers geht es nun mit zwei PS weiter. Für David ist das eine Herausforderung – er ist noch nie auf einem Pferd gesessen. Und das Gelände ist für Reitstunden nicht wirklich ideal.
Wir reiten auf schmalen Pfaden durch das steile Gelände der Finca – es ist wunderschön. Mein Pferd ist sehr brav (vor allem nachdem ich mir mit dem Sackmesser eine Reitpeitsche gebastelt habe – ein langer Zweig genügt da völlig) und wir kommen gut voran. Nach zwei Stunden erreichen wir plötzlich wieder das Haus - und Patrizia hat schon gekocht. Es gibt von allem viel zu viel, aber es schmeckt wunderbar! Dann ist es auch schon Zeit für die Siesta – nur mit Shorts bekleidet bevölkern wir die Hängematten. Und das ist keine gute Idee. Nach 100 Minuten Dösen entdecke ich an die 200 Mückenstiche – meine Beine gleichen einem Bild von Matisse – leuchtende Farbflächen in allen Rottönen.
Orlando beruhigt mich – die kleinen Blutsauger seien nicht wirklich schlimm und die roten Punkte würden bis morgen auf wieder verschwunden sein.
Gegen Abend machen wir uns zu einer zweiten Exkursion per Pferd – steil rauf und hinein in eine wundervolle Sonnenuntergangsstimmung. Diesmal holt uns Orlando alle möglichen exotischen Früchte von den Bäumen runter – keine Ahnung, wie die alle
heissen, aber schmecken tun sie!
Nachdem Abendessen telefonieren wir kurz mit Don Daniel, dem Besitzer der Finca und Onkel von Maxito, meinem Studienfreund aus der Schweiz.
Er erzählt uns, dass er momentan auf der anderen Farm der Familie sei und lädt uns für den nächsten Tag zum Lunch ein! Klar sagen wir zu, schliesslich sind wir schon sehr gespannt, mal einen richtigen kolumbianischen Grossgrundbesitzer kennen zu lernen.
Um 20 Uhr ist Schlafenszeit – Patrizia hat uns ein Zimmer mit zwei sehr bequemen Betten vorbereitet. Der Regen trommelt auf das Blechdach, der Kerzenschein wirft ein goldenes
Licht auf die Betten. Richtig romantisch – schade nur, dass das Leben von Weltreisenden manchmal verdammt einsam ist; da sind sich David und ich einig.
Am nächsten Morgen um 7 Uhr ist die Finca schon voller Leben – wir sind die letzten, die aufstehen. Nach einem grossen Frühstück machen wir uns an den Abstieg. Orlando versorgt uns mit
Wanderstöcken und gemeinsam klettern wir den Berg runter – der Regen hat den Weg in eine Rutschbahn verwandelt.
(Fortsetzung folgt).