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October 29, 2006 21:07:59
10 Tage Heimat oder: Ein Testbericht



Es ist nur menschlich, französische Weine zu mögen, schwedischen Frauen zu verehren und italienische Autos zu vergöttern.
Schwedinnen konnte ich in San Diego bisher noch nicht finden, französische Weine sind unbezahlbar und italienische Autos… …nun, da wurde ich fündig!

Cuore Sportivo! Was für ein Quantensprung. Von 3000 Kilo und japanischer Panzerqualität zu Niederquerschnittreifen mit italienischem Charme. Für die letzten 10 Tage tauschte ich meinen Land-Cruiser mit einem Alfa Romeo Coupe GT und machte deutsche Autobahnen unsicher (gleichzeitig half ich aktiv mit, den Ausbau des Schweizerischen Strassennetzes mit grosszügigen Spenden quasi im „Vorbeifahren“ zu unterstützen).
 Mein Doktorvater rief mich nach Deutschland. Schweren Herzens kehrte ich der kalifornischen Sonne für 10 Tage den Rücken und machte mich auf in deutsche Lande. Zugebenermassen freute ich mich, meine Freunde und Eltern in der Schweiz wieder zu sehen. Und ein bisschen freute ich mich auf den Alfa.
Das Auto hat viele Fehler. Ein Italiener eben. Der grundsätzlichste ist das Antriebskonzept. Frontantrieb kriegt die Kraft einfach nicht auf die Strasse. Schon gar nicht die Kraft von mehr als 300 Newtonmeter, die mein Diesel entwickelte. Zweitens ist das grell-blau leuchtende Lämpchen für Fernlicht nervend hell – das Armaturenbrett gleicht einer Diskobeleuchtung! Drittens finde ich… ähm, drittens… Was war das gleich nochmals?
Geneigte Leserschaft: ich war auch erstaunt. Der Alfa GT hat nur zwei Fehler. Und glänzt ansonsten mit einer wunderschönen Karosserie, einem eleganten Interieur mit feinem Leder und sportlich-angenehmen Sitzen, einer guten Bose-Soundanlage und einem durchzugskräftigen und äusserst sparsamen Motor. So sparsam dass ich im Durchschnitt 6.7 Liter verbrauchte und bei Tempo 200 genau 9.9 Liter verbrannte. Respekt.
Doch das ist noch nicht alles: Das Auto kostet ein Drittel vom Preis eines Porsche 911, bietet aber durch die Kurven fast gleichviel Spass (und weckt eher mehr Sympathien) und veranlasst viele Leute (inkl. einiger Schwedinnen), sich das Auto im Vorbeigehen genauer anzusehen.
Und so fuhr ich durch die Schweiz und Deutschland – im Hinterkopf immer die knallharten Fakten, mit denen ich mein Testbericht füttern wollte.

Mein Aufenthalt in der Schweiz war prima, fast zu kurz um alle meine Freunde zu sehen und sicherlich viel stressiger als meine bisherige Reise. Etwas Sorgen mache ich mir um meine Augen, da der Augenarzt erneut ein kleines Loch in der Netzhaut des linken Auges festgestellt hat. Dieses ist zwar bereits mit Laser wieder geflickt – aber ich hätte trotzdem gerne zwei gesunde Augen. Let’s see what time brings.Nun muss ich aber an Bord gehen und mich all den tollen Videos und dem französischen Wein widmen, die mein 11 Stunden Flug von Zürich nach Los Angeles mit sich bringen wird.
Stay tuned!