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Ich glaube, ich habe einen Fehler gemacht. Wir haben ein Kleinkriminellen für 3-6 Monate ins Gefängnis geschickt. Und das ist ein bisschen krass. Hier die Chronik der Ereignisse:
Nach der etwas kafkaesk anmutenden
Einreise zurück nach Guatemala ging es in ähnlichen Gefilden weiter – diesmal à la Dostojewski.
In seinem Roman „Schuld und Sühne“ gibt ein Ereignis das nächste – das ganze wird zu einem unkontrollierten und unaufhaltsamen Prozess. Raskolnikow, der tragische Held, kann seine eigenen Handlungen nicht mehr kontrollieren – niemand kann es – und plötzlich werden aus Kleinigkeiten substantielle Probleme.
In Monterrico fanden wir ein wunderschönes kleines Strandhostel namens „Johny’s“. Der guatemaltekische Pazifikstrand ist nahezu schwarz, fällt steil ab und die Wellen kommen als gewaltige Brecher herein. Die Hütten sind mit Palmwedeln bedeckt – das ganze ist sehr malerisch.
Ein Platz zum Ausspannen. Cuba Libre trinken. Hängematten testen.
Gleich nach unserer Ankunft fragte uns Augusto, der sich als lokaler Guide vorstellte, ob wir am nächsten Morgen um 5 Uhr eine Tour mit einem kleinen Boot durch den gewaltigen Sumpf Monterricos machen wollen. Augusto versprach uns viele Tierarten, einen wunderschönen Sonnenaufgang und kompetente Erklärungen, da er der einzige englischsprachige Guide vor Ort sei.
Das klingt doch prima! Wir sagten zu, zahlten die bescheidene Anzahlung und freuten uns auf den nächsten Morgen.
Am Strand trafen wir auf eine Gruppe Schweizer – und schon waren wir ins Kartenspiel vertieft. Später assen wir bei Briga, eine ausgewanderten Schweizerin die wie 22 ausschaut, aber doch etwas älter ist und vor 13 Jahren ein Restaurant eröffnet hat. „Züri Gschätzeltes“! Endlich mal etwas ohne dieses Teufelszeug von Chili und Koriander! Es schmeckte prima.
Wir erzählten von unserer anstehenden Tour und da lachten die Schweizer:
Augusto sei stadtbekannt – ein Betrüger, der nicht nur Schiffstouren sondern auch Bustickets und nicht existierende Hotelzimmer an unbedarfte Touristen verkaufen würden. Da er englisch spreche und ganz sympathisch sei, würden viele Touristen in die Falle gehen.
So so? Wir waren gespannt. Eigentlich konnte ich es fast nicht glauben – wir haben mit dem Möchtegern-Guide noch ein Bier getrunken und ich war ehrlich beeindruckt von seinen Schilderungen über die Flora und Fauna, die uns am nächsten Tag erwarten würde.
Am nächsten Morgen pünktlich um 5 Uhr fanden wir uns in Gesellschaft zweier Israelis vor dem Hostel stehend. Gemeinsam warteten wir auf Augusto. Dieser erschien nicht. Dafür marschierte um 05:30 ein anderer Guide mit Touristen aus dem lokalen Hotel vorbei und fragte, ob wir auch eine Tour absolvieren wollten.
Na ja, unsere Anzahlung war verloren, aber da es sich nur um umgerechnet 3 Franken handelte war das nicht allzu arg. Vielmehr nervte es mich, so richtig verarscht worden zu sein. Gemeinsam mit dem einen der Israelis ärgerte ich mich eine Weile, beschloss dann aber doch, die Tour zu geniessen. Dies hat sich gelohnt!
David nahm das ganze viel lockerer und nach unserer Rückkehr schien er die kleine Episode bereits vergessen zu haben. Nicht so der Israeli – und wenn ich ehrlich bin: ich konnte das auch nicht einfach so hinnehmen.
Wir erfuhren von unserem Guide wo dieser Augusto, Francisco oder Sender (je nach dem wie er sich gerade nannte) wohnen würde und wurden an eben diesem Ort vorstellig. Wäre er dort gewesen, hätten wir das ganze wohl mit ein bisschen Faust schütteln beilegen können – die Sache wäre gegessen gewesen.
Leider teilte uns sein Bruder mit, dass er nicht vor Samstag zurück sei. Dann würden David und ich bereits in San Salvador sein und die beiden Israelis würden dann einen Vulkan erklimmen. Mist, dachte ich, der Typ kommt ungeschoren davon und wird weiter Touristen über den Tisch ziehen.
Zurück in der Hängematte fragte uns der Hostel Manager, ob wir den Sachverhalt der Polizei schildern wollten. Ich war eigentlich von der Idee nicht so begeistert, da dies bedeuten würde, meine Hängematte zu verlassen, aber unserer israelischer Freund schien immer noch eine gewaltige Wut im Bauch zu haben.
Also gingen wir zu zweit hin und sprachen in gebrochenem Spanisch mit den Polizisten. Diese schienen nicht sonderlich interessiert (es war ja auch fast 40 Grad heiss unterdessen) und meinten, ja, wenn sie Augusto (denn sie offenbar bereits gut kannten) sehen würden, dann würden sie mit ihm sprechen.
Was soll’s, die Polizei war informiert, passieren würde nix, aber so richtig ein grosses Problem war es ja nicht.
Doch es kam anders. Gegen 5 Uhr abends kamen 2 Polizisten stramm in die Bar marschiert: Augusto sei verhaftet; alles warte auf uns um den Betrüger zu identifizieren.
Dazu hatte ich jetzt ehrlich keine Lust, und ich ärgerte mich schon, da was losgetreten zu haben. Da die Israelis bereits abgereist waren begleitete mich David auf den Polizeiposten und ich frage Augusto, was zu Teufel er sich eigentlich dabei gedacht habe, uns so zu verarschen.
Dieser schien sich erst nicht erinnern zu können, behauptete dann, als Vermittler geamtet zu haben, und war sich sicher kein Geld bekommen zu haben. Dummerweise hatten wir nach einer Quittung gefragt und auch bekommen. Ich wartete nun darauf, dass er uns die 20 Quezales zurück geben würde, vielleicht noch „Entschuldigung“ sagen würde und dass dann alles seinen gewohnten Lauf gehen würde.
Die Polizisten fragten uns, was wir den gerne mit dem Betrüger machen würden? Einmal Schaffot vielleicht? Oder eine kleine Folterung?
Was war das? Ein Wunschkonzert? Wir antworteten unisono, dass dies nicht unsere Entscheidung sei und dass mit der Identifikation unsere Arbeit getan sei.
Die Polizisten baten uns, noch zu warten und besprachen sich hinter verschlossener Türe. Die Szene war grotesk – neben uns stand ein rauchender Polizist, vor uns Augusto in Handschellen, mit dem wir gestern noch ein Bier getrunken hatten. Ich wusste nicht so genau wo hin schauen, schaute dann aber doch Augusto in die Augen, der wegschaute.
Die Polizisten kamen zurück und der englischsprachige Polizist erklärte uns, dass sie Augusto gerne ins Gefängnis werfen würden. „Aha, ja gut, dann tun sie das.“ So ein paar Tage, dachte ich, werden dem Typen wohl nicht schaden.
Unsere Personalien wurden aufgenommen, man wunderte sich über meine drei Vornamen, und dann fragte David, wie lange unserer ehemaliger Guide denn gesiebte Luft atmen würde. Die Antwort war „tres a seis“.
Aha, 3-6 Tage? Na ja, das war ziemlich streng für eine Deliktsumme von knapp 10 Dollar (den Israelis hatte er etwas mehr abgeknüpft als uns), aber na ja, er würde es überleben.
David fragte, ob es sich dabei um Tage oder Wochen handeln würde. Die Antwort liess mich erschaudern: Monate.
Das fand ich schon etwas extrem. Der Polizist erklärte, dass Augusto es nur so lernen würde, und dass er schon mehrmals Verweise erhalten hätte, und auch schon mal gesessen habe.
Trotzdem, irgendwie fand ich unsere Tat gar nicht mehr so heldenhaft – wo eine Klarstellung mit einmal fest am Kragen packen genügt hätte, ging es nun um bis zu 6 Monate Gefängnis.
Die anderen Schweizer schienen das lockerer zu sehen und auch der Hostel-Chef meinte, für das lokale Gewerbe sei es nur gut, wenn Augusto mal vom Spielfeld verschwinden würde. Trotzdem, könnte ich nochmals wählen, ich würde die Hängematte von Anfang nicht verlassen.