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March 25, 2008 18:01:12
Auf einem anderen Planeten
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Wo bin ich? Hallo Erde? Nach fast 3 Monaten Russland bin ich es einfach nicht mehr gewohnt: Lächelnde Menschen. Freundliche Beamte. Leute, die wirklich etwas verkaufen wollen. Sagenhaft.

100km in Estland und bin ich überzeugt: Ich habe das Paradies auf Erden gefunden. Die Strassen sind in perfektem Zustand, der Zöllner winkte mich nach einem Blick auf die Nummernschilder durch, Wireless Internet ist omnipräsent (da kann sich die Schweiz was abgucken!) und nach nur 80km wurde ich in fliessendem Englisch im Touristeninformationszentrum willkommen geheissen. Ich fühle mich mehr in Skandinavien als in einem ehemaligen Ostblockland.

Vor 2 Stunden bin ich in Ojaäärse nahe Palmse angekommen. Ein kleiner Weiler, der zu einem grösseren „Manor“ gehört. Das Hostel liegt direkt an einem kleinen See in einem uralten, etwas geduckt wirkenden Bauernhaus mit dicken Mauern. Wie vor knapp 2 Jahren auf den Färöern bin ich der einzige Gast und habe das Haus für mich allein! Und nach 12 Tagen Party in Moskau und St. Petersburg freut mich das: Ruhe und Natur und etwas Einsamkeit.


Es geht mir gut: Ich fühle mich zum ersten Mal seit langem rundum sorgenfrei. Das Auto läuft einwandfrei, keine schwierigen Grenzen liegen mehr vor mir, kein Papierkrieg ist zu erledigen, keine korrupten Polizisten stehen an jeder Strassenecke. Von hier bin in die Schweiz dürfte wieder alles so locker laufen wie damals von der Schweiz bis Schottland.

Mein Hostel liegt in einem Naturschutzgebiet. Auf den Bäumen liegt Schnee, die Luft riecht – eben: nach Natur! Herrlich. Nach einem langen Spaziergang sitze ich nun am Kaminfeuer und bearbeite die Tastatur meines Laptops (natürlich gibt es auch Wireless Internet – wir sind ja in Estonien!).

Im Internet erfahre ich, dass die Börsenkurse weiter nach unten gehen – der Swiss Performance Index ist wieder da, wo er vor meiner Reise war. Wirklich stören kann mich das nicht – innerhalb der letzten zwei Jahre musste ich immer wieder Titel verkaufen, um meine Reise zu finanzieren. Der momentane Börsenstrum äussert sich in meinem unterdessen bescheidenen Portfolio höchstens als sanftes Kräuseln – die Gewinne habe ich längst mitgenommen und in Diesel und Ersatzteile investiert.

Später werde ich mir etwas kochen – und da ich im näheren Umkreis keinen Einkaufsladen ausmachen konnte, wird es Bohnen aus den USA, Reis aus Thailand und Würstchen aus einer ecuadorianischen Dose geben. Dazu eingemacht Tomaten aus Argentinien. Ich brauche meine Vorräte auf und bin zufrieden mit mir und Estonien.