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September 19, 2006 23:26:52
Bären sind Connaisseure
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Manchmal trifft man auf Zivilisation da, wo  man es am wenigsten erwartet. In unserem Fall: Willkommen in Haines, Alaska! Nach meinem unermüdlichen und sich über mehrere tausend Kilometer erstreckenden Kampf um Salat und gegen French Fries schien sich der Himmel auf zu tun. Licht am Ende des Tunnel – oder aber: Gott hatte ein Einsehen. Was mein Lonely Planet als „tasty food“ beschrieb war in Tat und Wahrheit – wer ahnte es? – Nouvelle Cuisine! In Haines, Alaska! Einer Hafensiedlung mit 2’432 Einwohnern.

Das Halsingland, ein Hotel schwedischer Abstammung, wartete aber nicht nur mit hervorragendem Essen auf, nein, dieses Hotel schien dazu geschaffen, einem Weltreisenden in Sachen Auto ein Heim zu bieten. Der Besitzer führte mir nicht seinen Land-Cruiser vor, nein, das wäre profan. Er führte mir seine ZWEI Land-Cruiser vor!

Später gesellte sich der Koch, der in seinen Armee-Hosen keinesfalls wie Bocuse aussah, dazu und erzählte von seinem Geländewagen. Aber irgendwie fehlt da noch was zur Perfektion… Richtig: die Weinkarte! Und diese präsentiert von Vicky, einer charmanten Gastgeberin (spätestens seit Zürich weiss ich, dass es nicht „Serviertochter“ heisst). Von ihr lernte ich, was eine „scallion“ ist (siehe Foto). Und mit ihr verbrachte ich den Abend bei angeregter Diskussion über WTO, Freihandel und das miserable Schicksal vieler Drittweltländer. Es wäre falsch zu sagen dass wir überall übereinstimmten, aber je leerer die Weinflasche wurde, desto geneigter waren wir beide, der/dem anderen zuzustimmen.

Wie dem auch sei, das hier soll ja nicht zu einer langweilig-bourgoisen Abhandlung über mein Leben als „Bohemian in Alaska“  werden. Deshalb:

Bären! Bären, die Fische fangen! Die Technik ist simpel – und cool! Wie fängt ein 500-kilo Grizzly einen Lachs? Gar nicht! Denn er will nicht einen Lachs, er will sie alle! Er geht wie folgt vor: Wie wir zu Kinderzeiten springt er als Wasserbombe in den Fluss – es spritzt nach allen Seiten – und durch die Schockwelle sind die Lachse vorübergehend benommen. So benommen, dass der Bär mit seiner riesigen Pranke einfach ins Wasser greift und einen oder mehrere Lachse rausfischt. Mit der Arroganz eines, hmm, Bären, der es nicht nötig hat, beisst er das beste Stück raus und wirft den Rest des Lachses zurück den Fluss oder lässt ihn liegen – auf dass die Möwen zum Zuge kommen. Bären sind Connaisseure.

 Nachdem ich dem Bärenpaar am Chilkoot River gut eine Stunde zugeschaut hatte packte mich selbst der Hunger – zurück ins Hotel! En guetä!