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February 18, 2008 12:53:11
Der ganz normale Wahnsinn
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In Ulan Ude angekommen stelle ich fest: Der Baikalsee ist nicht zu sehen. Das nähere Studium der Landkarte erklärt wieso: Wir sind immer noch fast 80km vom tiefsten See der Welt entfernt. Auch ansonsten kann Ulan Ude nicht viel – ausser dem weltgrössten Lenin-Kopf gibt es nichts zu sehen.

Trotzdem müssen wir hier einen Zwischenstopp einlegen – es gilt, das mongolische Konsulat zu besuchen.

Einerseits muss ich mir ein Visum besorgen, andererseits will ich mich erkundigen, ob Mongoliens Westgrenze im Winter offen ist und somit eine Durchfahrt des Landes in Richtung Westen möglich ist.

Das Mongolische Konsulat ist einem herrschaftlichen, wenngleich hässlichem rosaroten  Gebäude untergebracht. Vor dem Schlagbaum stehend werden wir vom diensthabenden Wachoffizier nach unserem Begehren befragt. Wir erklären, werden nicht verstanden und schliesslich konferiert der Offizier per Funk mit dem Konsulat. Daraufhin lächelt er und sagt „Njet Visa“ und weist uns weg. Wir bleiben stehen, wedeln ein bisschen mit der Landkarte rum (schliesslich wollen wir nicht nur ein Visum sondern Informationen) und der Uniformierte funkt erneut. So geht das 3 oder  4 Mal hin und her und schliesslich hebt sich der Schlagbaum und wir dürfen eintreten.


Das von Aussen pompöse Gebäude ist innen spartanisch ausgestattet. Kabel hängen von der Decke, etwas verloren stehen ein paar Stühle herum, ein Wärter sitzt in einer Kanzel und schraubt an einer Elektroheizung (gestern ist Ulan Udes Wärmekraftwerk in die Luft geflogen). Neben uns warten ein paar Russen und stieren vor sich hin.

Wir fragen den schraubenden Wärter, wer denn hier zuständig sei. Er schüttelt den Kopf und schraubt weiter. Einer der wartenden Russen kann ein paar Brocken Englisch und eilt uns zur Hilfe. Durch seine Vermittlung erbarmt sich der Wärter, dessen Pullover an mehreren Stellen Löcher aufweist, zum Telefon zu greifen. Danach schraubt er weiter. Wir stehen rum und begutachten eine von Hand ausgeschnittene Wandpräsentation zum Thema „Mongolische Armee“. Diese scheint recht beschaulich zu sein.

Plötzlich und ohne klaren Grund winkt uns der Wärter heran – „Three“ sagt er und weißt einen Gang entlang. Wir machen uns auf den Weg und kommen an abgeblättertem Verputz und kaputten Deckenleuchten vorbei, bis wir schliesslich vor einer Tür mit der Aufschrift „3“ ankommen.

Ich klopfe, trete ein, und nehme erstaunte Gesichter war. Eine junge Frau erklärt mir, dass sie „first“ sei, und wir doch bitte noch warten sollen. Aha.

Der Wärter ist unterdessen auch wieder hier und gestikuliert in Richtung Haupthalle.


Wir warten weiter. Der englisch sprechende Russe ist mehrmals in der Mongolei gewesen und meint, die Westgrenze sei auch im Winter geöffnet. Allerdings sei die Strasse holperig – viel Schnee habe es aber nicht.

Schliesslich kommt die Lady, die „first“ war, wieder zum Vorschein und ohne den Wärter weiter zu belästigen, klopfen wir erneut an die Türe Nummer 3.


Der Botschaftsbeamte, der hinter einem alten Holzschreibtisch sitzt, sieht aus wie eine schlechte Kopie eines englischen Gentlemans. Alles ist ein bisschen zu lang, zu gross. Sogar seine Uhr rutscht ihm stets über die dünne Hand. Immerhin, der dreiteilige Anzug ist lochfrei. In Russisch erklärt er Martin, dass er keinerlei Informationen über den Westen der Mongolei habe. Na prima. Auch ein Visum könne ich nicht bekommen, jedenfalls nicht vor übernächsten Freitag. Wir fragen nach – heute ist Montag und die Wartezeit scheint ein bisschen unmotiviert. Er lächelt, sagt was, wir verstehen nicht. Dann zeigt er auf Papier und holt einen russischen Pass hervor – schliesslich verstehen wir, dass dem Konsulat das Visa-Papier ausgegangen ist.

Als wir uns Richtung Türe wenden, zeigt er erneut auf die Karte und Mongolien’s Westen und sagt „snieg“ und dann „bolschoi snieg“ was soviel heisst wie „viel Schnee“. Nun habe ich gar keine Idee mehr, ob ich durch die Mongolei fahren soll oder es bei einem Kurzbesuch in der Hauptstadt Ulaanbaatar belassen soll.


Um die Tage bis übernächsten Freitag nutzen zu können, werden wir nun erstmal nach Irkutsk und zum Baikalsee fahren. Da soll es auch noch ein mongolisches Konsulat geben.