

Ich habe es gefunden. Das kleinste Studentenwohnheim der Welt. Und wohl zugleich eines der modernst ausgestatteten. Die Aussicht auf den Fischerhafen von Vestmanna kann sich sehen lassen: malerische und farbige Gebäude, hohe Berge und alle möglichen Fischerboote. Hierum geht es: Fischerei. 95% aller Färöer leben davon. Und die zwei Studenten der Fischereischule in Vestmanna (letztes Jahr waren es noch vier Studenten – ein entsetzlicher Trend) sind meine Wohngemeinschaftsgenossen. Dann die Ernüchterung. Ob es ein Pub gibt im Ort? Nee, das wissen sie nicht. Ob sie ein Glas Wein trinken wollen? Nee, das dürfen sie nicht. Aha.
Es gibt ein Pub, und das ist für die Färöer aussergewöhnlich. Noch vor 15 Jahren war der Alkoholausschank verboten. Jeder Inselbewohner durfte alle 3 Monate maximal 12 Flaschen Wein aus Dänemark bestellen. Heute ist dies anders: Staatlich organisierte Alkoholhändler verkaufen alle möglichen alkoholischen Produkte. Auf der ganzen Insel finden sich ungefähr 10 Pubs. 5 davon in Torshavn, der Hauptstadt. Und eines hier, versteckt zwischen den Hafengebäuden mit einem dunklen Eingang.
In einigen weiteren Pubs muss man „Member“ sein, um rein und trinken zu dürfen. Oder von einem lokalen Lebewesen eingeladen werden.
Wie dem auch sei: Ich entkam meinen nüchternen Wohngenossen und machte mich auf den Weg ins lokale Nachtleben. Und sitze nun, 20 Minuten und ein lokal gebrautes Bier (das aber ganz gut schmeckte) später, vor dem Computer und berichte über meine Erlebnisse.
Die Färöer sind von aussergewöhnlicher Schönheit. Hohe Klippen, Meerwasser dass in allen Farben schimmert, grünstes Gras, mit Schneekappen versehene Berge, Regenbogen… alle 3 Kilometer musste ich einfach anhalten um einen Schnappschuss zu machen. Die Schönheit findet in ihrer Ausgeprägtheit nur noch Paroli in der Einsamkeit.

Gestern noch besuchte ich Gjögv, ein 30 Seelen-Dorf. Es war schön… …und einsam. Die Dächer sind mit Gras gedeckt, die Wellen brechen sich mit monumentaler Gewalt an den 200 Metern hohen Klippen. Menschen sieht man keine, dafür aber viele Schafe. In der Jugendherberge war ich der einzige Gast und nach 19 Uhr sogar der einzige lebende Organismus unter dem Grasdach. Kurz nach dem Frühstück fiel dann allerdings die Jugendmusik aus Torshavn ein. Ich ergriff die Flucht.
Meine Karte führte mich nach Funningur, einer Metropole der Färöer mit 80 (!) Einwohnern. Unterwegs musst ich einen kleinen Schneehaufen durchpflügen, der über die Nacht auf die einspurige Strasse gerutscht war. Spannend wurde es dann in Saksun. Endlich konnte ich zumindest ansatzweise verstehen, wieso Menschen die Flut unterschätzen und jedes Jahr erneut Touristen ertrinken. Ich parkte mein Auto kurz nach dem Fahrverbotsschild und wanderte durch ein durch die Ebbe geleertes Fjörd Richtung Meer. Es war atemberaubend schön! Links und rechts Wasserfälle, die Berge spiegelten sich im liegen gebliebenen Wasser, die Sonne schien. Und die Flut kam.
Nachdem das offene Meer erreicht war, machte ich mich auf den Rückweg: Hmm, da sollten doch theoretisch meine Fußspuren sein…? Mit nassen Füssen und nach einiger Kletterei erreichte ich das Auto.
Und wollt mich schon Vestmanna und somit meinem heutigen Tagesziel in Bewegung setzen. Doch da kitzelte mich was. Da war doch dieser riesige Flecken Sand, der sicher noch eine Stunde der Flut trotzen würde… …und zu irgendeinem Zeitpunkt muss man sich ja auch mal Fahrpraxis auf nassem Sand aneignen… Der Autopilot steuerte mich erneut Richung Fjörd. Und es machte Spass. Unglaublich viel Spass! Mit 100km/h durch den Sand zu brausen, stark untersteuernd Kurven zu nehmen, so dass der Sand nur so spritzt… Geil, einfach nur geil!
Als ich die Strasse wieder hoch kam, war die Barriere beim Fahrverbot, welches ich ja leider übersehen hatte, geschlossen. Mit eingeklappten Rückspiegeln und in leichter Schräglage kam ich trotzdem durch. Es hat sich gelohnt!