Nachdem wir wohlbehalten den Schweinestall und unser Auto erreicht haben, müssen wir uns von Orlando verabschieden. Das fällt uns richtig schwer – schliesslich haben wir uns sehr gut mit dem einfallsreichen und witzigen Gutsverwalter unterhalten.
Ich fahre und wieder überholen wir alles, was sich auf der Strasse tummelt – Kolumbien ist untermotorisiert. David spielt Navigator und telefoniert mehrmals mit Don Daniel um nach dem Weg zu fragen. Nach unzähligen Abzweigungen und einer geisterhaft leeren Autobahn erreichen wir Quatro Esquinas, die zweite Farm der Calderons. Don Daniel steht schon im Hof und begrüsst uns jovial. David ist ein bisschen enttäuscht, dass er keine Zigarre raucht (in seiner Vorstellung rauchen alle Dons Zigarre und tragen Sombreros), aber man sieht David an, dass er auch ganz gerne ein „Don“ vor dem Namen hätte. Don David also – da muss er nur noch seine Prager Mieter überzeugen!
Mit Daniel Calderon zu sprechen ist sehr spannend – und er spricht perfekt Englisch! Das hätte er uns auch früher sagen können – wir haben uns am Telefon wiederholt mit Spanisch abgemüht! Dafür sind Kolumbianer sehr gastfreundlich – wir erleben ein perfektes Beispiel! Wiederum werden wir bekocht und eine hübsche Angestellte bringt eine riesige Fleischplatte.
Wir unterhalten uns fast 3 Stunden mit Don Daniel, und als wir uns verabschieden, lädt er uns noch zu einem Besuch seiner Familie in Bogota ein. Klar sagen wir zu - wir werden verwöhnt!
Die Farm liegt auf dem „Alto Plato“ und auf 2600 M.ü.M. Von hier aus geht es nun flach und entsprechend schnell nach Bogota.
Bogota schliesslich gefällt mir sehr – eine bourgeoise Stadt, mit vielen hübschen Vierteln, Cafés, Buchläden, Universitäten…
Die erste Nacht vergeht wie im Flug – mit 10 anderen Reisenden aus aller Welt trinken wir um die Wette. Am nächsten Morgen werden wir von Dieter abgeholt. Dieter ist der zweite Göttisohn meines Göttis (sprich: er hat den selben Patenonkel wie ich) – bisher haben wir uns aber noch nie gesehen.
Seit nunmehr bald 30 Jahren lebt Dieter in Südamerika! Das hat offenbar auch den typischen Schweizer Charaker verändert: Dieter schliesst Freundschaft mit jedem, der ihm über den Weg läuft und ist ganz der südamerikanische Netzwerker! Per Auto zeigt er uns die Stadt und dann geht es zum Lunch zu seiner Frau Blancanelly! Man lebt nicht schlecht in Kolumbien: Dieters Wohnung in einer „Gated Community“ ist eindrücklich und wir werden mit exzellentem Essen, vorzüglichem Wein und exotischem Rum verköstigt.
Ich werde also meinen Bierbauch vorerst nicht los. 
Den Nachmittag verbringen wir auf Dieters Empfehlung in einer englischsprachigen Buchhandlung und füllen unsere literarischen Vorräte auf. Und dann – wir haben noch kaum das Mittagessen verdaut – geht es schon wieder los, um rechtzeitig zum Abendessen zu den Calderons zu kommen.
Wir kommen gegen 21 Uhr an und staunen nicht schlecht, als Don Daniels Frau uns auf „Bärndüütsch“ begrüsst. Eine waschechte Bielerin!
Gegessen wird in Kolumbien spät – um 23 Uhr sitzen wir am Tisch. Doch das Warten hat sich gelohnt! Es gibt das beste Tenderloin, dass ich je hatte. Die 3 Kilo Fleisch werden mit viel Salz mariniert und dann in ein altes Leintuch verschnürt. So wird das ganze ins offene Feuer gelegt… Das Fleisch verliert so kaum Saft und ist kräfig im Geschmack. Perfekt!
Eigentlich wollen wir uns ja auch heute wieder ins Nachtleben Bogotas stürzen, aber als wir um 01.30 Uhr die Wohnung der Calderons verlassen, sind wir so gesättigt, dass die Opportunitätskosten für alles, was nicht nach Bett und Schlafen aussieht, viel zu hoch sind.
Also zurück zum Hostel und zu internationalen Gemeinschaft, die rund um einen Tisch sitzt, trink und plaudert, und es uns unmöglich macht, „schon“ schlafen zu gehen.