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Timetable PanMundo journey (PDF)


Wir trauen den Angaben unserer Karte schon lange nicht mehr. Auch haben wir festgestellt, dass die Kamboscha-Karte, mit welcher unser GPS Empfänger ausgerüstet ist, ungefähr dem Stand der einen Papierkarte entspricht – also ca. 1953. Wie dem auch sein: Nun, da wir schon einmal hoch oben im Norden sind, wollen wir auch ein bisschen was entdecken und wenden uns gegen Osten um den ca. 120km entfernten Angkor Tempel „Prasat Preat Vihear“ zu besichtigen.
Auf der Hauptverbindungsstrasse 63 fahren wir nach Osten. Anfangs ist die ungeteerte Strasse recht gut, doch dann stellen wir per GPS fest, dass wir uns immer mehr von der 63 entfernen. Wir wenden und fahren ein Stück zurück, bis zu einem kleinen Weiler, wo wir die Hauptstrasse verlassen hatten. Tatsächlich, links geht ein kleiner Weg ab, und das GPS sagt uns, dass dies die Hauptverbindungsstrasse sei. Wir vertrauen der Technik und müssen nach ca. 3km erneut wenden. Es geht nicht mehr weiter: Wir stehen vor einer Mauer aus Bäumen und Buschwerk.
Also wieder auf die grössere Strasse, die auf keiner Karte verzeichnet ist. Für ca. 30km geht es einigermassen flott voran. Wir umkurven die grösseren Schlammlöcher, winken den Kindern, die entlang der Strasse auf den Feldern arbeiten oder in Wasserlöchern baden. Etwas besorgniserregend ist, dass uns seit mehr als einer Stunde kein Auto mehr entgegengekommen ist. Und dass wir auch keine Autospuren im weichen Boden mehr sehen.
Die Schlammlöcher werden grösser. Es ist oft unmöglich, sie zu umfahren. Mit Geländeuntersetzung und gesperrten Frontdifferential (das hintere Differential lässt sich nicht mehr sperren) tauchen wir ein. Ich probiere, zumindest 2 Räder auf mehr oder weniger festen Untergrund zu halten. Trotzdem rutschen wir immer wieder in den hüfttiefen Schlamm – die grobstolligen Reifen sind mit Lehm und Schlamm gefüllt und halten kaum mehr.
Währenddem man ein tiefes Schlammloch mit etwas Geschwindigkeit und somit purer Gewalt meistern kann, wird es schwieriger, wenn die nächsten 200 Meter aus Ackerland bestehen. Dann wird es technisch. Und man bleibt stecken.
Das erste Mal probieren wir, das Auto auszugraben. Wir bocken jedes Rad einzeln auf, legen Sandbleche und lange Holzbretter, die von einer nahen halbzerfallenen Brücke stammen, unter jeden Rad, schaufeln Lehm und Dreck weg und bitten 10 Jungs, die Geschehen seit 20 Minuten betrachten, uns beim Anschieben zu helfen. Oskar, der anfangs noch mit wenig Freude auf seine weissen Turnschuhe und den Schlamm geblickt hat, stemmt sich rein; die Jungs tun es im nach. Ich gebe Gas, die Räder drehen durch, und wir kommen nicht vom Fleck.
Es kann nur noch die Seilwinde helfen. Zum Glück steht in ca. 25 Meter ein robuster Baum – wir verbinden das Windenkabel mit einem um den Stamm gelegten Seil, und – siehe da – es flutscht, und das Auto kommt frei. Wir binden die dreckigen Sandbleche und auf das Dach und folgen den Jungs, die mit ihrem Trecker samt Anhänger voraus fahren. Keine 4km später bleiben wir wieder stecken. Diesmal versuchen wir es gar nicht erst mit Ausgraben (das Auto ist wohl einfach zu schwer) und laufen mit dem Windenkabel zu nächsten Baum, der sich ca. 20 Meter vor uns und 10 Meter neben der Strasse befindet. Der Winkel ist nicht ideal – aber wir haben keine Wahl. Kein Auto wird vorbeikommen – und schon gar kein Lastwagen oder Traktor, der uns rausziehen könnte. Etwas unangenehm ist dabei, dass Kambodscha immer noch schwer vermint ist. Man wird immer wieder darauf hingewiesen, Wege und Strassen nicht zu verlassen. Doch, was bleibt uns anderes übrig? Wir waten vorsichtig durch das hohe Gras, legen das Seil um den Baumstamm und kehren in unseren eigenen Spuren wieder zur Strasse zurück. Und es funktioniert ein weiteres Mal.
Wir kommen nun nur noch sehr langsam voran. Alle 300 Meter heisst es aussteigen, voraus laufen, die Tiefe der Schlammlöcher mit einem Stock prüfen, eine Fahrspur bestimmen. Und natürlich bleiben wir weitere zwei Male stecken.
Oskar hält sich erstaunlich gut – die Arbeit ist knochenschwer, Landminen können überall sein, man schwitzt, es ist keine Aussicht auf eine Besserung der Strasse oder auf fremde Hilfe vorhanden, ja, wir wissen nicht einmal genau wo wir sind. Wenn man das zum ersten Mal macht, kann es nicht sonderlich spassig sein.
Beim vierten Schlammloch ist es arg. Das Auto steckt hinten mindestens einen Meter tief fest, man kann den Kofferraum nicht mehr anständig öffnen. Ausgraben ist zwecklos und unsere Seile reichen nicht bis zum nächsten Baum.
Ich kämpfe gegen eine unglaubliche Hoffnungslosigkeit an. Was können wir noch tun? Das GPS zeigt 30km bis zur nächsten grösseren Siedlung an. Falls man der GPS-Karte trauen kann. Vielleicht kann einer von uns morgen dahin marschieren, und das Militär um Hilfe bitten. Wir benötigen ein Auto, dass schwerer als unseres ist – also mindestens einen Kleinlaster. Und der muss erstmal so weit kommen im Schlamm. Verstehen wird uns auch niemand – denn im Norden von Cambodia ist Englisch so verbreitet wie fliessendes Mandarin im Oberbaselbiet. Glücklicherweise ist das Land flach und mein Handy hat Empfang – ich könnte also die Schweizer Botschaft anrufen, und sie um Vermittlung bitten. Ich gehe das Gespräch im Geiste durch: „Können Sie mir einmal erklären, was Sie mitten in der Regenzeit im Norden Kambodschas zu suchen haben? Sie hätten doch wissen müssen….“
Nein, das ist nicht das, was ich will. Es muss doch eine Lösung geben.
Links neben dem Auto liegt ein umgefallener Baumstamm. Dieser sieht ziemlich stark aus, doch der Zugwinkel zur Seilwinde ist unmöglich. Ich erinnere mich an die Bergung des umgekippten Land-Rovers in Malaysia. Da hatten wir mit einer Umlenkrolle gearbeitet. Vielleicht würde dies auch hier klappen?
Wir haben nichts zu verlieren. Mit der Umlenkrolle können wir etwas Zug von der Seilwinde nehmen, und vielleicht würde es genügen, dass Auto einen Meter zur Seite zu ziehen bis die Räder wieder greifen können.
Es wird nun schnell dunkel und wir arbeiten fieberhaft. Seile werden verbunden, die Umlenkrolle mit dem Kuhfänger verbunden.
Wir setzen die Winde in Betrieb. Es tut sich gar nichts, das Auto federt vorne etwas ein, die Winde wimmert. Es scheint nicht zu klappen.
Doch dann – siehe da – zu meiner grenzenlosen Erleichterung bewegt sich der Land-Cruiser! Erst nur ein paar Zentimeter zur Seite, und dann, mit der Hilfe des Allradantriebs, ein wenig mehr und schliesslich kommt er ganz frei! Halleluja!
Wir parken 3 Meter hinter dem Schlammloch mitten auf der Strasse, bauen das Zelt auf und waschen uns notdürftig mit einigen feuchten Lappen. Zum Kochen sind wir zu müden – ein Mars und je ein Stück Brot muss genügen. Um 19 Uhr ist es stockdunkel und um 19:30 Uhr legen wir uns erschöpft schlafen.
Obwohl ich kaputt bin schlafe ich schlecht. Immer wieder denke ich an den bevorstehenden Tag. Weitere 30km auf dieser miserablen Strasse. Wie viele Male werden wir noch stecken bleiben? Und was können die malträtierten hinteren Stossdämpfer noch aushalten? Die Karosserie hat bereits einige Male empfindlich auf den Achse geschlagen – gut ist das ganz sicher nicht. Auch der Zusatztank hat einige empfindliche Schläge abbekommen.
Nein, gut schlafen kann ich nicht. Dafür bete ich zum ersten Mal seit Langem wieder zu Gott – auf dass er uns morgen begleiten möge und uns weitere Tiefschläge erspare.
Gott hat mich gehört. Der nächste Tag wird besser. Anstelle der vom GPS versprochenen 30km bis zum nächsten Dorf sind es derer nur knapp 10. Und stecken blieben wir nicht mehr. Gleichwohl brauchen wir für diese 10km fast zwei Stunden. Im Dorf sehen wir zum ersten Mal wieder andere Autos! Also muss die Strasse auch besser werden!
Nach fast zwei Tagen erreichen wir schliesslich den Tempel. Der im Nebel liegt. Also nichts mit der versprochen Aussicht auf Thailand, Laos und Kambodscha. Das kenn ich schon von Macchu Picchu in Peru.
Gleichwohl ist die Tempelanlage beeindruckend – nicht zuletzt, da wir die einzigen Touristen vor Ort sind!
Unterdessen sind wir nun unterwegs Richtung Süden. Auf besseren Strassen. In Phnom Penh, der Hauptstadt Kambodschas, werden wir eine Toyota Garage suchen um die Stossdämpfer zu revidieren.
Der Norden hat viel Schweiss gekostet und dem Material eine harte Prüfung abverlangt. Aber eines weiss ich: Wert war es das allemal!