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Messer schwirren über meinem Kopf. Die Menge tobt. Ich hoffe, der Typ weiss, was er tut. Nein, ich schaue nicht mehr hoch. Falls ein Messer fällt dann lieber auf den Schädel. Nur nicht ins Auge. Mein Gegenüber auf der anderen Seite der Leiter, der Holländer Thomas, wirft mir einen ähnlich verzweifelten Blick zu. Wie sind wir da nur rein gerutscht? Und wann hört dieser verrückte Australier endlich damit auf?
Alles begann malerisch: Mit Julie und Karin, den beiden Kanadierinnen aus Quebec die ich vor einer Woche in Akurerey kennen gelernt habe, spazierte ich gemütlich durch das Einkaufsviertel von Reykjavik auf der Suche nach einem Kebabstand um meinen Kater endgültig zu besiegen. Sowieso lief alles prima – bis eben zu diesem Moment als… Aber zuerst die ganze Vorgeschichte: Gestern u
nd nach einer malerischen „Sea-Kayak Tour“ in Stykkisholmur und der Beinahe-Besteigung des Sneafjells-Gipfels (der Nebel war arg dicht – mit dem Problem war Jules Verne bei der Reise zum Mittelpunkt der Erde nicht konfrontiert – sein Team kam ohne grosse Probleme zum Gipfel dieses Vulkans hoch, der als Einstieg ins Innere der Erde diente) kam ich in Reykjavik an. 20 Minuten zu spät. Das Büro von Eimskip, der Reederei die mein Auto nach Kanada befördern wird, war schon zu – also musste ich mich darauf einstellen, bis Montag hier bleiben. Also auf zur Jugendherberge.
Kaum war ich in meinem Zimmer klopfte es schon an der Tür und Marc, der eine Schweizer aus Akurerey stand draussen. 10 Minuten später kamen Julie und Karin vorbei und beim Abendessen war dann auch Maike, die mich zum Kajak fahren verführt hatte, mit von der Partie. Natürlich kamen noch weitere Franzosen und später ein amerikanisches Pärchen aus New Orleans (da führt die Panmundo-Route nun auch hin!) hinzu und schon waren wir mitten im Nachtleben von Reykjavik. Und dieses ist nicht zu verachten (Empfehlung: Club Pravda)...

Aber eben, der nächste Tag kommt bestimmt und das Kopfweh damit. Wir sind also auf der Suche nach einem schmerzlindernden Kebab. Beim Marktplatz spricht ein gelb-rot gekleideter Australier Passanten an und versammelt einige Leute um sich herum. Ein Strassenkünstler. Also nichts wie hin, und da wir zu den ersten Schaulustigen gehörten war uns ein Platz in der ersten Reihe sicher. Nach allerlei Eskapaden wurde das Publikum gierig nach mehr! Die wollten Blut sehen! Und da wurde es mir plötzlich klar: Die erste Reihe ist ein verdammt gefährlicher Platz. Zu spät. Sein Blick heftete sich auf mich: „Hey you, where are you from?“ Er warf mir einen Ball zu (glücklicherweise war von meinem Kebab nichts mehr übrig) und bat mich mit erhobenem Arm samt Ball in der Hand bereit zu stehen. Na ja, was tut man nicht alles. Dann suchte er in der Reihe nach einem Freiwilligen für eine gefährliche Aufgabe. Ich war leider der einzige, der den Arm oben hatte. YES!
Nach erfolgter Vorstellung hiess er mich und Thomas, den anderen unglücklich ins Geschehen gerückten Verdammten, eine freistehende Leiter zu halten. Er kletterte unter allerlei gespielten Mühen hoch und schwanke oben glücklich vor sich hin. Das wäre ja noch zu verkraften. Aber dann: Ein kleines Mädchen, welches vom Künstler, der aus Australien stammte, auserkoren wurde, musste Messer zu ihm hochwerfen. Lange Messer! „Und damit will er jetzt jonglieren?“ ging mir durch den Kopf? Meine Gedanken waren bei der SUVA, skalpierten Bleichgesichtern und ich dachte daran, dass, wenn ich Kinder hätte, diese ihren Kameraden erzählen könnten, dass ihr Vater bei einer Messernummer in Island ums Leben gekommen sei. Na ja, das klingt doch ganz cool!
Legende: Die erste wirkliche Flussdurchfahrt mit dem Land-Cruiser oben im Nordwesten bei Gjögur