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June 29, 2006 01:32:25
Montreal – oder 15 Minuten zwischen zwei Glastüren
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Das Stadtgespräch: Die gegenwärtige Hitzewelle… Erstaunlicherweise zeigt das Thermometer  gerade mal 23 Grad an. Den Formel-1 Grand-Prix habe ich leider knapp verpasst – aber die Stadt scheint bereits das nächste Rennen vorzubereiten. Alle Schaufensterauslagen sind geschmückt mit Rennfahrermonturen, die Speisekarten mit dem unausweichlichen „Formula-1 Ménu“ zeugen davon.

Ansonsten ist Montreal relaxet. Fast schon gemütlich für eine Weltstadt. Und sehr selbstbewusst. Bei meiner Salatbestellung wurde ich sofort dahingehend informiert, dass ein „Garcon“ nur dann zu rufen sei, wenn es sich bei Kellner auch wirklich um einen Mann handelt. Ansonsten, so wies mich die Kellnerin zurecht, sei ein „S’il vous plait“ angebracht.

Manchmal kommt auch Spannung auf – bei Überqueren der Strasse. Auch hier macht sich das Formel-1 Fieber bemerkbar – wer nicht rennt findet sich als Verkehrsberuhigungsschwelle wieder.

Wie aber endete ich eingesperrt zwischen zwei Glastüren? Gut, der Reihe nach: Nach 14 Stunden Zugfahrt, einer intensiven Zollkontrolle beim Grenzübertritt USA-Kanada und zahllosen Hot-Dogs holten mich Julie, Marie-Eve und Marlene von einer U-Bahn Station  namens „Pie IX“ ab. Erneut musste ich feststellen, dass meine Reise ohne Couchsurfing nur halb so spannend wäre. Oder zumindest bei Weitem nicht so charmant.

Der nächste Tag brachte dann abermals Regen und somit die Möglichkeit, längst notwendiges zu erledigen. Nach einem Besuch im alten Hafen machte ich mich auf, einen Uhrmacher zu finden. Anzumerken ist, dass ich niemandem den Kauf einer Girard-Perregeaux empfehlen möchte. 

Bijouterien gibt es einige in Montreal – und alle sind mit einer Türschleuse gesichert. Das Schicksal brachte es mit sich, dass ich die wohl einzige nicht funktionierende Schleuse ausfindig machte. Und 15 Minuten auf 2qm verbrachte, ausgestellt wie ein Tiger in einem viel zu kleinen Käfig. Entsprechend fauchend lief ich dann nach der Viertelstunde neben der sich immer wieder entschuldigenden Verkäuferin und dem ratlosen Sicherheitsbeamten durch. Immerhin wurde die lose Krone meiner Uhr wieder befestigt.

Den Abend verbrachte ich in erwähnter angenehmer Begleitung bei viel Bier unter einem Regenschirm, was nicht unangenehm war.

Heute nun bin ich unterwegs nach St. John’s. Ich sitze im Flugzeug neben einer jungen Steuerberaterin die ihren Blackberry bearbeitet und mich keines Blickes würdigt. Wahrscheinlich weil mein Hemd leichte Gebrauchspuren aufweist und meine Hosen etwas löchrig sind. Wie dem auch sei, nach einem Umweg über Boston, New York, Montreal, Halifax und St. Johns und dem Gebrauch zweier Züge, einigen Bussen und dreier Flugzeuge hoffe ich morgen nach Argentia zu gelangen um mein Auto, welches direkt von Reykjavik nach Argentia reiste, in Empfang zu nehmen.