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August 1, 2007 09:52:02
Umgekippt in Malaysia



Von einem Extrem ins Andere: Nach 4 mehr als angenehmen Nächten im Raffles Hotel verbrachte ich meine erste Nacht in Malaysia auf dem umgeklappten Beifahrersitz des Land-Cruisers auf einer einsamen Autobahnraststätte.

Der Grenzübertritt von Singapur nach Malaysia war an sich einfach – einzig ein Zoll-Offizier verursachte ein bisschen Konfusion da er der festen Überzeugung war, dass ich mein Auto in sein Land exportieren wolle. Nachdem ich den Unterschied zwischen Im- und Export hinlänglich erklären konnte, durfte ich passieren – und stand einem unglaublich intensiven Wolkenbruch gegenüber. Mein Zelt wollte ich unter diesen Umständen nicht aufbauen – leicht schwitzend machte ich es mir im Auto bequem. Beim Zähneputzen am nächsten Morgen wurde ich mit dem ersten Kulturschock konfrontiert: 1) Die Dusche ist exakt über dem Plumpsklo angebracht. 2) Das Klo verfügt über kein Papier, dafür ist aber ein Wasserschlauch zwecks Anusreinigung angebracht. Daran, so wurde mir klar, würde ich mich in den nächsten Monaten gewöhnen müssen.

Den ersten Tag in KL (=Kuala Lumpur) verbrachte ich schwitzend bei 36 Grad auf der Suche nach einem Hostel, da Michi, mein Studienfreund und Gastgeber, noch auf Geschäftsreise in Bangkok weilte.

Am folgenden Morgen machte ich mich früh auf, um in die Cameron Highlands zu fahren. Diese Bergregion Malaysias erreicht 2000+ Meter und ist berühmt für ihre Teeplantagen. Diese fand ich dann auch sehr eindrücklich. Noch mehr freute ich mich jedoch, als ich spät abends auf einen Land-Rover dänischer Herkunft stiess: Nete und Thomas sind in 6 Monaten von Dänemark über Russland bis nach Asien gefahren! Wir hatten uns viel zu erzählen und ich bin mir nun sicher, bis Ende Mai 2008 die Schweiz erreichen zu können. Alles halb so wild in Russland und der Mongolei!

Nach einem gemütlichen Tag in der deutlich kühleren Bergwelt Malaysias machten wir uns mit zwei Autos auf, um Malaysia „Off-Road“ zu erkunden (hier ein kurzes Video). Wir jagten durch Palmenplantagen, pflügten uns durch lehmige Pfade und… …brachten den Land-Rover zum umkippen.
 
Während mein Cruiser das in einer engen Wegwindung liegende Hindernis zwar am Limit aber ohne mit der Wimper zu zucken nahm, wollte Thomas beweisen, dass mit einem Landy noch mehr geht. Er fuhr die Lehmwand steiler an, grinste selbstbewusst durch die Scheibe und schien nicht zu merken dass sein Auto nur noch auf 2 Rädern stand. Langsam verlagerte der Land-Rover sein Gewicht und kippte im Zeitlupentempo.

Und dann war ich beeindruckt von der dänischen Mentalität. Wäre mein Auto eben majestätisch umgekippt, dann hätte ich wohl Himmel und Hölle verflucht und mir die Haare gerauft. Nicht so Thomas: Nachdem er ohne den geringsten Kratzer durch ein Seitenfenster ausstieg meinte er nur, dass dies nicht seiner Absicht entsprochen hätte.

Und so kamen wir unbeabsichtigt in den Genuss von harter Arbeit: Erst musst der halbe Hang weggeschaufelt werden, damit der Landy, sollte uns die Aufstell-Aktion gelingen, nicht gleich wieder zurück kippen würde. Dann kletterten wir mit Bergegurten, Umlenkrollen und dem Seilwinden-Kabel des Landys den Hang hoch und benutzten zwei Palmen, um das 3-Tonnen Auto per Seilwinde wieder auf die Räder zu stellen. Das Problem war, dass die Batterie des Land-Rovers nur Strom für einen Winch-Aktion hergeben würde: Es musste beim ersten Mal klappen! Da das Auto wegzurutschen drohte, unterstützten wir die Seilwinde mit High-Jacks (=überdimensionierte Wagenheber).
Klick hier für das entsprechend Video.
So oder so - eines wurde mir klar: Sollte mein weltreiseerprobtes Auto irgendwo in der Mongolei umkippen, dann würde ich es ohne Hilfe wohl nicht auf die Beine stellen können. Die vorhandene Ausrüstung genügt nicht - bei unserer Rettungsaktion in Malaysia benötigten wir die Bergungsgurte und Umlenkrollen beider Autos. Ich muss also einkaufen gehen oder aber ein Begleitfahrzeug finden!