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March 17, 2007 18:21:34
Verschiffung Panama-Kolumbien



1) Seit Stunden sitzen wir im Internet Cafe. Lesen Reiseberichte. Telefonieren quer durch Panama per Skype. Stottern Fahrzeugdaten herunter und schreiben Emails. Wir planen die Verschiffung des Land-Cruisers von Panama nach Kolumbien.

Nachdem wir uns entschieden haben, nicht durch den Darien Gap zu verfahren (und somit unsere Weltreise nicht um ein Jahr verlängerten), heisst es nun: Schiff suchen, Kosten vergleichen, Daten notieren.

Entsprechend unserer Recherchen gibt es 3 Möglichkeiten, ein Auto von Panama nach Kolumbien zu verschiffen:

A) Karibik: Von Colon nach Cartagena in einem Container (oder in einem offenen Container, falls man mit was Größerem reist). Kosten: ca. 1000 Dollar (nur Verschiffung)

B) Karibik: Von Almirante (Puerto Almirante), Panama, nach Santa Marta, Kolumbien mit einem Frachter der Chiquita Banana Company. Kosten: 600 Dollar (nur Verschiffung)


C) Pazifik: Von Panama City (resp. Puerto Balboa) nach Buanaventura, Kolumbien. Dies haben wir nicht weiter untersucht, da wir Richtung Cartagena wollen.


Früher gab es auch eine Fähre von Colon nach Cartagena – diese hat jedoch den Betrieb nach 2 Jahren Tätigkeit wieder eingestellt.

Schnell stellt sich heraus, dass der Chiquita Frachter zwar günstig ist, dass das Auto aber einfach per Kran an Bord gehievt würde (kein Container) und dass das Harbour-Handling in Santa Marta sehr langwierig und anstrengend sein kann. Gleichwohl möchte ich hier erwähnen, dass die Reaktionszeit auf unser Email extrem gut war: Schon nach 30 Minuten wussten wir über alles Bescheid (Kontakt: Alicia Romero, alromero(at)chiquita.com). Wir entschieden uns für die etwas teurere Variante mit Barwil, da die lokale Agentin Evelyn Batista sehr gute Referenzen auf allen möglichen Webseiten geniesst (+507 263-7755, Evelyn.Batista(at)barwil.com). Evelyn bot uns sogar an, ein weiteres Fahrzeug zu suchen, so dass wir einen Container teilen könnten. Dies würde die Kosten auf ca. 800 Dollar senken (hat aber nicht geklappt).

Eine weitere Möglichkeit wäre die Verschiffung mit Seabordmarine (Eric Hansen, +507 210-9624, ehansen(at)seaboardmarinepanama.com) zum selben Preis wie mit Barwil. Auch Hansen hat innerhalb einer Stunde auf unser Email geantwortet.


2) Sobald man sich auf einen Verschiffungstermin geeinigt hat (die Colon Option legt in beiden Fällen immer am Freitag ab, Chiquita immer am Sonntag) muss man sich 4-5 Tage vorher beim Agenten einfinden. Dann sind Zoll- und Polizeiformalitäten zu erledigen (locker in 4 Stunden getan). Evelyn erklärt einem alles bestens und hat einen Stadtplan zur Hand. Auch wird man mit einem Stappel Kopien, die man im Laufe des Tages wieder los wird, ausgestattet.

Im Hafen von Colon fallen lediglich noch Kosten von 5 Dollar (9 Dollar wenn das Auto riesig ist) an, in Cartagena wird es mit 230 Dollar etwas teuerer. Das Verladen verläuft effizient und sicher; den Autoschlüssel kann man behalten und der Container wird versiegelt.


Colon hat den Ruf gefährlich zu sein. Mörderisch geradezu, wenn man Lonely Planet Glauben schenkt. Wie auch immer – der Yachtclub ist ein sicherer Hafen! Dort kann man allerlei Reisende und Abenteurer kennen lernen -  und ermordet wird man auch nur sehr selten. Nachfragen nach Parkplätzen kann man beim dicken Yacht-Club-Jefe (Amerikaner: „So why the fuck don’t we speak English man?“) der eine junge Kreolin o.ä. auf dem Knie sitzen hat und die Bar bewacht.


3) Einige Tage später: Cartagena ist wunderschön! Es wäre schade, hier nur den Hafen zu besuchen und gleich weiter zu fahren. Ich habe ein Appartement gesucht (David weilt derzeit bei seiner hoffentlich zukünftigen Freundin in Mexiko) indem ich im Stadtteil Boca Grande einfach dem Strand entlang gelaufen bin und in jedem Strandhaus (Edificios heissen die…) nach freien Wohnungen gefragt habe. Nach einigen Anläufen hatte ich drei Optionen – und meine Wohnung ist schlicht genial (3 grosse Zimmer, super Sicht auf den Strand (siehe Foto!), schön eingerichtet – nach etwas Handeln für 50 Dollar die Nacht inkl. Garage: Maribel Benitez, +57 312 528 1666, sehr nett!).


Das Schiff mit meinem Auto hatte 2 Tage Verspätung. Trotzdem erledigte ich am Montag bereits den Papierkram mit der Agentur (A.M.I., Edgardo Martinez, +57 5660 7810), was sehr schnell ging (172 Dollar; Achtung: in Pesos zu bezahlen!)) und sprach beim Zoll vor. Da wurde ich sehr freundlich von einer hübschen Assistentin empfangen. Wiederum lief alles problemlos, ausser dass man mit meinen 3 Vornamen, die immer vollständig vermerkt sein müssen, einiges an Problemen hatte („Senor Nathan“?).

 
Am nächsten Tag um 08 Uhr meldete ich mich pünktlich im Hafen bei Eric Valencia vom „Servicio al Cliente, Sociedad Portmaria“ der englisch spricht und sehr hilfsbereit ist. Zuerst muss man sich für das Betreten des Hafens registrieren, dann wir ein Schutzhelm gefasst und los geht es. Kurze Hosen sind nicht erlaubt, aber da ich ein „Senor Touriste“ bin, wurde mich das nachgesehen.


Schnell war Carmelo Torre gefunden, der für das Öffnen der Container zuständig ist. Ebenso schnell war den Container offen und mein Land-Cruiser hatte wieder festen Boden unter den Rädern. Natürlich gab es auch hier unzählige Formulare auszufüllen (für jedes das ich weggebe bekomme ich 2 Neue!) und schliesslich konnten wir den Zollinspektor Senor Kelvin Escoriza und seine bewaffneten Begleiter suchen gehen. Auch dieser liess nicht lang auf sich warten und das Auto war mit einem Blick in die Kühlbox (nur Bier) rasch inspiziert.

Dann marschierte ich zurück zur Zollverwaltung, wo sämtliche meine Formulare vom Jefe persönlich unterzeichnet wurden. Zurück im Hafen muss die Hafenrechnung bezahlt werden (58 Dollar, in Pesos! / Achtung: Der Container muss im Computer-System „geschlossen“ sein – ich verbrachte eine Mittagspause mit Warten), dann ging es zu 3 verschiedenen Schaltern, wo man schliesslich ein weiteres Formular erhält. Mit diesem kann man das Auto zur Wägstelle fahren (endlich wissen wir es: der Land-Cruiser ohne Fahrer mit ca. 80 Liter Diesel wiegt 3’310kg!!!), wo das Formular ausgetauscht wird. Mit diesem letzten Formular schliesslich darf man den Hafen verlassen, Juhee!


In Cartagena liegen Zoll, Hafen und Agentur bequem in Laufdistanz. Ein Guide ist wirklich NICHT nötig – die Hafenarbeiter sind sehr hilfsbereit.

Alles in allem gab es nicht zu viele Wartezeiten – es sind einfach nur sehr viele Posten anzulaufen.


Insgesamt möchte ich die Verschiffung mit Barwil von Colon nach Cartagena sehr empfehlen! Falls Du als zukünftiger Verschiffer eine Frage hast: tobias (at) panmundo.com