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March 31, 2007 22:33:33
Wer hat Angst vor Kolumbien?



In den USA wurde ich schon für tot erklärt als ich die Grenze nach Mexiko überquert hatte. Dass wir heute lebend Medellin durchquert haben, wird bei meinen US-amerikanischen Freunden als mittleres Wunder gewertet.
Wir sind in Kolumbien. Schon seit mehr als 2 Wochen. Und leben immer noch. Auch das Auto ist noch in unserem Besitz. Beraubt wurden wir auch noch nicht. Und niemand schiesst auf uns.
Kanada ist gefährlicher.
Entsprechend komme ich einmal mehr zur Überzeugung, dass man nicht alles glauben darf, was man im Fernsehen sieht oder was einem per „Hören-Sagen“ zugetragen wird. Kolumbien ist nicht gefährlich, solange man nicht in die Rebellengebiete fährt (und wo die sind, weiss man) und nur tagsüber fährt. Die Menschen hier sind extrem hilfsbereit und freundlich. Autofahren macht Spass – ein fröhliches Überholen wo es geht, aber keiner würde auf die Idee kommen zu hupen (es sei denn in Verbindung mit einem Winken) oder gar den Finger zu zeigen. Und meistens sind wir es, die altersschwache Renaults und überladene Lastwagen überholen. Doppelte Mittellinien sind mehr zu Orientierung – beachtet werden sie niemanden…
Unterwegs nach La Dorada, wo wir eben angekommen sind und von wo aus wir morgen die Finca der Familie eines Studienfreundes besuchen werden, haben wir die ersten Anden-Ausläufer überquert. Die Strasse war von Militärs gesäumt. Alle 300 Meter stand ein junger Soldat mit Gewehr und schaute gelangweilt dem Verkehr zu. Wir haben mit einigen von ihnen geredet – Soldat zu sein scheint überall auf der Welt gleich langweilig zu sein.
Insgesamt erinnerten mich die 700km von Cartagena bis nach La Dorada stark an die Schweiz. Überall Milchkühe, schöne Bergzüge, grüne Täler. Mitten in diesem appenzellhaften Paradies  tauchte plötzlich Ruben vor uns auf – der radelnde Belgier, den wir in Panama City kennen gelernt hatten.
Währendem sich David in Veracruz für zwei Wochen der Liebe hingab und ich fleissig an meiner Dissertation arbeitete, hat Ruben schon halb Kolumbien per Rad durchquert. Der Mann ist fit: 130km pro Tag mit einem Rad, das samt Gepäck 50kg wiegt.  Kein Gramm Fett! (seit mich Nicole darauf aufmerksam machte, dass auf diversen Fotos die Tendenz zum Bierbauch zu sehen sei, achte ich auf so was!).
Da es sowieso schon gegen Sonnenuntergang ging, entschieden wir uns, gemeinsam eine Bleibe zu suchen. Nach ein Drinks (ich: Cola Light mit Rum) und dem Abendessen wollten wir das Nachtleben von Caucasia auskundschaften. Dies war schnell getan. Eine Bar. Eine Disko. Und ein Strip-Club. Und das alles im selben Raum. Was blieb uns anders übrig als…?
Heute Morgen war ich fast ein bisschen neidisch, dass Ruben mit dem Fahrrad Südamerika erobert und wir faul im Auto hocken und fett werden. Nachdem dann ein sintflutartiger Regen einsetzte, relativierte sich das wieder ein bisschen.