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August 15, 2007 18:16:38
Wir schreiben das Jahr 2550!



Ich bin vor keinen 10 Minuten in der Zukunft angekommen. Und ich muss die ersten Eindrücke gleich wieder geben – so was darf nicht verblassen.

Das „On-On Hotel“ in der Altstadt Phukets strahlt einem in verblichenem Weiß entgegen. Ein romanisch anmutender Palast aus einer anderen Zeit, eine riesige Lobby, Deckenventilatoren aus Mahagoni…
Natürlich schreit alles nach Farbe, nach frischem Holz. Leonardo di Caprio hat hier in seinem Film „The Beach“ genächtigt. Und offenbar war dies ein ziemlich realistischer Film. Die Rezeptionsladies sind alle gelb gekleidet. Und verstehen kein Englisch. Neben mir steht ein Holländer, ca. 160cm gross, undefinierbares Alter, das eine Auge von einer Krankheit arg entstellt und zusammengekniffen. Er trägt ein grauenhaftes Hemd – halb geöffnet selbstverständlich – mit einer grossen, falschen Perlenkette unter seinem Dreifachkinn. Und dazu eine schwule Matrosenmütze. Auch er checkt ein – ins Zimmer neben mir. Hoffentlich hegt er keine Selbstverstümmelungsgedanken wie der Typ aus „The Beach“.

Ich frage, ob ich mein Auto parkieren darf. Quer durch die ehemalige Lobby geht ein Teerstreifen – offenbar kann man per Auto die Lobby erkunden. Leider werde ich nicht verstanden. Ich zeichne ein Auto, welches ins Hotel fährt. „Yes-yes!“ - das scheint also zu klappen.

Der Holländer läuft gerade wieder vorbei – ich muss den Laptopschirm zuklappen, er will sich offenbar zu mir setzen. Und ein Holländer könnte Deutsch verstehen.

Er ist weg, will die Stadt erkunden. Offenbar doch recht motiviert; er wird sich wohl doch nicht so schnell umbringen.


Das erste Zimmer, welches mir gezeigt wird, hat zwar ein Bad, dafür aber ein zugemauertes Fenster. Sehr heimelig. Die Seniorita, die mir die Zimmertür öffnete, kommt nicht an den Lichtschalter ran – sie freut sich sehr, als ich den Messingknopf, der ca. 1.5 Meter über dem Boden angebracht ist, betätige. Das nächste Zimmer kommt ohne Bad aus, hat dafür aber einen alten Holzboden und ein Fenster. Und ein grosses Bett, mit einer Matratze, die jeder Banane die Show stehlen würde. Trotz ihrer Form entdecke ich später, dass das Ding steinhart ist. Irgendwie gefällt mir mein Zimmer sehr gut. Glanz und Gloria vergangener Zeiten. Auch scheint mir der Preis, der ca. 6 Franken pro Nacht (inklusive Parkplatz in der Lobby) beträgt, durchaus fair.

Die nächste Aufgabe ist der Abschluss einer Autoversicherung für Thailand. An der Malaysia-Thailand Grenze war es mir nur möglich, die obligatorische Versicherung für Körperschäden Dritter abzuschliessen. Eine vollständige Haftpflichtversicherung für mein Auto, die auch allfällige durch mich verursachte Reparaturen an Fahrzeugen Dritter deckt, ist nicht erhältlich. Ich besuche 4 Versicherungsagenten in Phuket. Jeder spricht ein bisschen besser Englisch als der letzte; gleichwohl kommt es zu Problemen. Allianz Thailand versichert nur Autos jünger als 10 Jahre. Meines zählt 11 Lenze. Die nächste Versicherung, ein Ableger der AIG, will nur Autos mit Thai-Nummerschildern versichern. Der Dritte Agent, dessen Versicherungsnamen ich immer noch nicht weiss, würde ein Versicherung abschliessen, aber nur für das doppelte des normalen Preises, da ich als Ausländer logischerweise ein höheres Risiko berge. War mir auch sofort klar. Schliesslich entdecke ich das Büro der Siam Commercial Samaggi Insurance. Obwohl alle Prospekte nur mit malerischen Thaibuchstaben verziert sind, komme ich hier weiter. Suthanya Chullasup, die Branch Managerin, versteht die Nötigkeit einer Haftpflichtversicherung und teilt meine Meinung, dass ein 1-Jahres-Vertrag eine unnötig grosse Zeitspanne für meine ca. 1-monatige Thailand Reise abdeckt. Ich erhalte einen Halbjahresvertrag zu fairen Konditionen. Meine Freude ist gross, heisst das doch, dass ich nun beliebig viele Tuk-Tuks und andere Verkehrshindernisse rammen kann.

Beim Studium des ins Englische übersetzten Vertrages werde ich stutzig: August 2550? Wie die Zeit vergeht! Ich werde belehrt dass der thailändische Kalender uns ein wenig voraus ist. Nach dem traditionellen Thai-Kalender beginnt die Zeitrechnung in Thailand im Todesjahr Buddhas – und der starb 543 Jahre vor der christlichen Zeitrechnung.
Die buddhistische Zeitrechnung heißt ‘Phuta-sag-karadt’ und die Christliche Zeitrechnung ‘krit-sag-karadt’. So, das wäre geklärt.

So, jetzt gilt es, das Nachtleben Phukets zu erkunden - meine Compagnons Aneta und Skyler stehen schon bereit.




Ps: Die letzten 2 Tage war ich auf Ko-Phi-Phi – dem Ground Zero des 2004er Tsunamis.  Eine wunderschöne Party-Insel; es ist nicht mehr viel zu sehen von den Tsunami Zerstörungen. Alle Kids hier erzählen von Full-Moon und Half-Moon Parties, knutschen wild rum und sind erstaunt wenn ihnen der Tischnachbar über die Beine kotzt. Dafür bin ich zu alt. Aber die Strände sind sehr schön!